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Whistleblower melden in gut einem Drittel der Firmen Missstände

Steuerbetrug, Geldwäsche, sexuelle Belästigung: Gesetzes- und Regelverstösse am Arbeitsplatz kommen laut einer Erhebung häufig vor. In der Schweiz haben im vergangenen Jahr in gut einem Drittel der Firmen so genannte «Whistleblower» Missstände gemeldet.

15.05.2019 / 14:09 / von: mco/sda
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Bei der Mehrheit der Unternehmen mit einer Meldestelle ging im Jahr 2018 mindestens eine Meldung ein, im Durchschnitt waren es allerdings stolze 52 Meldungen. (Symbolbild: pixabay.com/StockSnap)

Bei der Mehrheit der Unternehmen mit einer Meldestelle ging im Jahr 2018 mindestens eine Meldung ein, im Durchschnitt waren es allerdings stolze 52 Meldungen. (Symbolbild: pixabay.com/StockSnap)

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Die Unternehmen erachteten zwar nur die Hälfte der «Whistleblower» Fälle als relevant. Damit kommt es aus Firmensicht aber immer noch in mehr als jeder sechsten Firma zu schwerwiegenden Vorfällen. Die Ergebnisse entstammen dem am Mittwoch publizierten «Whistleblowing Report 2019», den die Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur (HTW) im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsprojekts gemeinsam mit der auf Software für Finanzinformationen spezialisierten EQS Group erstellt hat.

«Whistleblower» ist der mittlerweile auch im deutschen Sprachraum übliche Begriff für Mitarbeiter, die Verstösse von Kollegen und Vorgesetzten publik machen - und dafür häufig angefeindet werden.

Ein schwacher Trost ist der Umstand, dass die hiesige Unternehmenswelt im internationalen Vergleich nicht schlecht da steht. Für die Studie wurden knapp 1'400 Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern in der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Grossbritannien befragt. Der tiefste Wert an Firmen mit gemeldeten Vorkommnissen ergab sich in der Schweiz mit 35 Prozent, den höchsten verzeichnete Deutschland mit 43 Prozent.

Grössere Firmen eher betroffen

In grösseren Firmen ist die Chance für gröbere Verfehlungen offenbar höher als in kleineren. Denn besonders häufig traten Missstände in Grossunternehmen ab 250 Mitarbeitern auf.

Und die gemeldeten Vorfälle gehen ins Geld. In der Schweiz entstand durch das Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter in gut 20 Prozent der gemeldeten Fälle ein finanzieller Schaden von über 100'000 Euro.

Um solche Schäden zu vermeiden und auch aus Sorge um das Aussenbild, haben die Firmen Meldestellen für "Whistleblower" eingerichtet. Im Durchschnitt verfügen knapp 60 Prozent aller befragten Firmen über eine Meldestelle. Die Schweiz liegt gemeinsam mit Grossbritannien mit einem Anteil von 65 Prozent auch hier etwas besser im Rennen.

Viele Unternehmen in den vier Ländern haben demnach noch kein Meldesystem für Fehlverhalten von Mitarbeitern, obwohl das europäische Parlament im April eine Direktive zum Schutz von Hinweisgebern beschlossen hat. Dieser Direktive zufolge müssen Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern Meldestellen für Verstösse einrichten.

Die Hälfte der Meldestellen auch für Kunden offen

Meldestellen sind in erster Linie für Mitarbeitende geöffnet. Bei gut der Hälfte der Unternehmen können aber auch Kunden und Lieferanten auf illegales oder unethisches Verhalten hinweisen. Für die breite Öffentlichkeit ist dies jedoch nur bei etwa jedem fünften Unternehmen möglich.

Bei der Mehrheit der Unternehmen mit einer Meldestelle ging im Jahr 2018 mindestens eine Meldung ein, im Durchschnitt waren es allerdings stolze 52 Meldungen. Jeder zweite Hinweis habe sich dabei als relevant und gehaltvoll erwiesen, so die Studie. Missbräuchlich war dagegen nur ein Bruchteil der Hinweise.

Weiter hat die Studie ergeben, dass die Hinweisgeber am liebsten anonym bleiben. Bei den Unternehmen, die dies ermöglichen würden, seien 58 Prozent der Erstmeldungen ohne Hinweise auf die Identität des Meldenden eingegangen. Die Autoren der Studie empfehlen gleichzeitig, anonymes Melden zu unterstützen.

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