Pull down to refresh...
zurück

Covid-Zertifikatspflicht: Sicherheitsbranche erlebt einen Boom

Um sicherzugehen, dass die Covid-Zertifikatspflicht eingehalten wird, setzen momentan viele Firmen und Hochschulen auf die Kontrolle durch einen Sicherheitsdienst. Dieser enorme Anstieg an Anfragen bei Sicherheitsunternehmen führt allerdings zu einem Personalmangel. Neue Angestellte zu finden, gestaltet sich momentan als schwierig.

23.09.2021 / 06:47 / von: lju
Seite drucken Kommentare
0
Für die Sicherheitsfirmen ist der Anstieg ein zweischneidiges Schwert, da die vielen Anfragen auch zu einem Personalmangel führen.(Symbolbild: KEYSTONE/Ennio Leanza)

Für die Sicherheitsfirmen ist der Anstieg ein zweischneidiges Schwert, da die vielen Anfragen auch zu einem Personalmangel führen.(Symbolbild: KEYSTONE/Ennio Leanza)

0
Schreiben Sie einen Kommentar

Bei Unternehmen aus dem Bereich Sicherheitsdienstleistungen kommt es im Rahmen der ausgeweiteten Zertifikatspflicht zu einem enormen Anstieg an Nachfragen. Man könne von einem Boom sprechen, so Luc A. Sergy, Direktor des Verbands der Schweizerischer Sicherheitsdienstleistungs-Unternehmen (VSSU), gegenüber RADIO TOP.

Um zu kontrollieren, ob die Zertifikatspflicht jeweils auch eingehalten wird, werden häufig Sicherheitsfirmen eingesetzt. Vor allem Hochschulen würden vermehrt Sicherheitsfirmen engagieren. Dasselbe gelte für Firmen, die ihre Mitarbeiter kontrollieren wollen. «Aus dem Gastrobereich gab es hingegen keine Anfragen», sagt Sergy.

Bereits vor der Einführung der Zertifikatspflicht seien die Unternehmen häufig im Zusammenhang mit der Covid-Pandemie angefragt worden, so beispielsweise zum Temperaturmessen. Durch die Pflicht seien die Anfragen aber so sehr gestiegen, dass auch schon Aufträge abgelehnt werden mussten.

Für die Sicherheitsfirmen ist dieser Anstieg daher ein zweischneidiges Schwert, da die vielen Anfragen auch zu einem Personalmangel führen. Laut Sergy ist es sehr schwierig, neue Angestellte zu finden. «Darum kommt es zu einem Kapazitätsproblem.» 

Die grosse Schwierigkeit: Zusätzliches Personal finden

Zurückzuführen sei der Personalmangel auf Entlassungen während den ersten zwei Wellen der Pandemie sowie besonders auf einen momentan «ausgetrockneten Personalmarkt». Schuld an den Kapazitätsproblemen sei der Personalmangel allerdings nicht, da es nicht zu übermässig vielen Kündigungen aufgrund der Pandemie kam. «Wir erhalten momentan einfach so viele Anfragen, dass wir mehr zusätzliches Personal bräuchten. Dieses zu finden, ist die grosse Schwierigkeit.» Die Sicherheitsbranche stecke laut dem Direktor also nicht in einer Krise, sondern erlebe einen derart grossen Aufschwung, den sie nicht ganz zu decken vermag.

Auch würden Personen aus anderen Branchen wegen der Corona-Pandemie nicht gross abwandern und in die Sicherheitsbranche wechseln. Mit der Unterstützung von Gemeinden oder Kantonen, «die uns bei der Rekrutierung helfen würden», rechnet der Direktor ebenfalls nicht – «auch wenn der Entscheid zur Zertifikatspflicht ja eigentlich vom Bund kommt».

Auf die Frage, ob der Boom länger anhalten und längerfristig mehr Personal gebraucht werde, antwortet Sergy, dies würde von der Dauer der Zertifikatspflicht abhängen und sei daher schwierig vorauszusagen. Allerdings kämen auch vermehrt Anfragen zu Sicherheitskontrollen an Universitäten und in Firmen, die nicht mit der Zertifikatspflicht verbunden seien. Daher vermutet der VSSU-Direktor einen allgemeinen Zuwachs an Anfragen in nächster Zeit.

Angstellte haben Angst, sich bei der Zertifikatskontrolle anzustecken

Auch Bekim Mzi, Leiter bei der Swiss Security Group GmbH (SSG), kennt das Kapazitätsproblem, welches die vielen Anfragen für Sicherheitsfirmen mit sich bringen. Die meisten Anfragen gebe es aus der Gastronomie. «Im Vergleich zu letzter Woche hat die Nachfrage diese Woche aber abgenommen.» Offenbar konnten viele Betriebe eine andere Lösung finden. Würde die Zertifikatspflicht allerdings noch weiter ausgeweitet – etwa auf Läden – sähe die Lage bestimmt wieder anders aus, so Mzi.

Die SSG konnte trotz aller Bemühungen nicht alle Aufträge abdecken, obwohl sie sogar mit Partnerfirmen zusammenarbeitete. Und: «Bis Ende Jahr rechnen wir weiter mit vollen Auftragsbüchern.»

Die Sicherheitsfirma sucht auch weiterhin neues Personal, «aber wir können nicht jeden einsetzen». So würde die SSG beispielsweise keine Studierenden einstellen. Es brauche geschultes Personal, das auch in heikleren Situationen professionell reagieren könne. « Das ist gerade dann wichtig, wenn man auf Menschen stösst, welche die Zertifikatspflicht nicht gutheissen und sich querstellen», sagt der SSG-Leiter.

RADIO TOP hat nach weiteren Gründen gefragt, wieso es mit der Rekrutierung  von neuem Personal nicht klappt: 

audio

Beitrag erfassen

Keine Kommentare