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Wie verwandelt unter Solskjaer

Unter dem neuen Trainer Ole Gunnar Solskjaer ist Manchester United wie verwandelt. Der Norweger führt den Klub zurück in die Zukunft.

12.02.2019 / 11:05 / von: sda
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Als Paris Saint-Germain Mitte Dezember Manchester United als Achtelfinal-Gegner in der Champions League zugelost bekam, war man sich rund um den französischen Meister einig: ein gutes Los. Nun hat sich innerhalb von nicht mal zwei Monaten die Situation komplett verändert. Die Franzosen bekommen am Dienstag eine ganz andere Mannschaft als Widersacher vorgesetzt, als sie damals gedacht und erhofft hatten. Manchester United hat sich gewandelt - vom zerstrittenen, scheinbar unmotivierten Haufen zu einem solidarischen, siegesgewohnten Ensemble.

Selten hat ein Trainerwechsel für eine solche Metamorphose gesorgt wie jener von José Mourinho zu Ole Gunnar Solskjaer. Seit der 45-jährige Norweger am 20. Dezember die Nachfolge des Portugiesen angetreten hat, reihte Manchester United in elf Partien zehn Siege und ein Remis aneinander. Am Wochenende kehrte das Team nach einem weiteren überzeugenden Auftritt, dem 3:0 bei Fulham, unter die Top 4 der Premier League zurück, also in den Bereich, der zur Teilnahme an der nächsten Champions League berechtigt. Ein Aufstieg, der vor zwei Monaten noch undenkbar war.

In kurzer Zeit Wunder zu bewirken, ist das Markenzeichen von Ole Gunnar Solskjaer. Diese Fähigkeit machte ihn als Spieler zwischen 1996 und 2007 zu einer Ikone bei Manchester United und brachte ihm den Übernamen "super sub" ein. Oft war der frühere Stürmer bloss Reservist, oft veränderte er den Verlauf einer Partie nach seiner Einwechslung. "Sein Einfluss von der Bank aus war phänomenal", erinnert sich Andy Cole, einer seiner einstigen Sturmpartner. 1999 war er es, der Solskjaer im Champions-League-Final gegen Bayern München in der 81. Minute Platz machte. Noch zu Beginn der Nachspielzeit stand es 0:1, dann sorgten zwei Treffer, darunter jener von Solskjaer zum 2:1 in der 93. Minute, für die spektakuläre Wende.

Elf Jahre spielte Solskjaer unter dem früheren Erfolgscoach Alex Ferguson bei Manchester United. Vieles hat er vom Schotten übernommen, etwa den Klub als ein grosses Ganzes zu sehen, jeden Angestellten einzubinden und wenn möglich die Probleme intern zu regeln. An seinem ersten Arbeitstag machte Solskjaer die Runde bei jenen Personen im Klub, die im Schatten wirken, und verteilte Schokolade. Am gleichen Abend nahm er an der Weihnachtsfeier teil und beantwortete Fragen. Er bindet sich ein, im Klub und in der Stadt.

Noch kein langfristiger Vertrag

Die Beobachter fühlen sich an die erfolgreichsten Zeiten von Manchester United erinnert, so sehr, dass einige spekulieren, dass der 77-jährige Ferguson im Hintergrund die Strippen zieht. Vieles, was im Verlauf der letzten Jahre unter den verschiedenen Trainern am Erbe von Ferguson verloren ging, wird unter Solskjaer wieder eingeführt. Die Medienkonferenzen vor den Spielen finden wieder am Freitag um 8.30 Uhr morgens statt, der langjährige Assistent (Mike Phelan) ist fünf Jahre nach seinem Rauswurf ins Team zurückgekehrt, und die Mannschaft praktiziert wie zu den besten Zeiten unter Ferguson einen offensiven Stil.

Solskjaer kommt mit den gleichen Spielern aus, die schon Mourinho zur Verfügung standen. Im Januar verpflichtete Manchester United keinen einzigen neuen Spieler und doch scheint es so, als wäre alles neu. Die Leistungen von Paul Pogba, dem 105-Millionen-Euro-Mann, entsprechen nun plötzlich seinem Preisetikett. Unter Mourinho schwankte sein Status zwischen Captain, Ersatzspieler und Sündenbock. Unter Solskjaer hat der französische Weltmeister in neun Meisterschaftsspielen acht Tore und fünf Assists erzielt.

Die neue Atmosphäre nach den schwierigen letzten Monaten unter dem zunehmend mürrischen und verschlossenen Mourinho behagt den Schlüsselspielern. Die Frage, ob die Wirkung anhält, scheint die Klubleitung zu beschäftigen. Bisher hat sie den Vertrag mit dem als Interimslösung bis Sommer vorgesehenen Solskjaer nicht verlängert. CEO Ed Woodward hatte eigentlich vor, Tottenhams Mauricio Pocchettinio als dauerhafte Lösung zu engagieren und Solskjaer wieder zum norwegischen Klub Molde ziehen zu lassen. Ein Plan, der in den letzten Wochen von Spiel zu Spiel unwahrscheinlicher geworden ist.