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«Der Pizol-Gletscher ist tot»

Am Sonntag hat Island den ersten Gletscher für «tot» erklärt. Auch in der Schweiz schmilzt das ewige Eis langsam weg. RADIO TOP hat mit Glaziologe Matthias Huss über die Problematik gesprochen.

19.08.2019 / 13:53 / von: mma
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Auch der Pizol-Gletscher wird eine Gedenkfeier erhalten. (Bild: Screenshot/Google Maps)

Auch der Pizol-Gletscher wird eine Gedenkfeier erhalten. (Bild: Screenshot/Google Maps)

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Schmelzende Gletscher verlieren weltweit nach neuen Schätzungen jährlich rund 335 Milliarden Tonnen Eis. Zu diesem Schluss kommen Forscher aus Zürich, die Satellitenmessungen und Beobachtungen vor Ort ausgewertet haben. 

Der federführende Forscher Michael Zemp von der Universität Zürich sagte im April, die Welt verliere damit jährlich rund drei Mal das verbleibende Gletschervolumen der Europäischen Alpen. Die Gletscher hätten zwischen 1961 und 2016 mehr als 9000 Milliarden Tonnen Eis verloren. 

In Island wurde am Sonntag der erste Gletscher offiziell für «tot» erklärt. An der Abschiedszeremonie nahmen am Sonntag rund hundert Menschen teil, darunter Regierungschefin Katrin Jakobsdottir.

Wie Glaziologe Matthias Huss die Aktion in Island einschätzt und wie ein Gletscher definiert wird, erklärt er im Interview mit RADIO TOP:

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Glaziologe Matthias Huss, Leiter des Schweizerischen Gletschermessnetz Glamos, schätzt die Aktion in Island als sehr medienwirksam ein. Die symbolische Wirkung sei ohne Zweifel gross. Er weisst aber auch darauf hin, dass die Masstäbe oder die Definition, was ein Gletscher sei, in Island anders angesetzt sind als in der Schweiz. 

Huss erklärt, was gegen das Geltscherschmelzen unternommen werden kann:

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Laut Huss sei die Aufgabe von Glaziologen, nicht das Schmelzen zu verhindern, sondern es zu dokumentieren und die Folgen aufzuzeigen. Als einzige effektive Massnahme gegen das Schmelzen nennt Huss den Kampf gegen den Klimawandel. Es gebe auch lokale Massnahmen, die angewendet werden können, wie beispielsweise das künstliche Beschneien von Gletschern. Diese seien allerdings sehr kostspielig, nicht sehr ökologisch und meist nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

Wie Matthias Huss die Lage am Pizol einschätzt, erklärt er im Interview mit RADIO TOP:

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Auch im TOP-Land gibt es Gletscher, die «sterben». Einer davon ist der Pizol-Gletscher. Auch für ihn wird eine Gedenkfeier stattfinden. Huss vermisst seit 2006 den Pizol-Gletscher. Damals sei der Gletscher noch zusammenhängend gewesen und einigermassen gesund. Im leztzten Hitzesommer 2018 zerbrach der Gletscher förmlich. Immer mehr Felsen hätten die Eisdecke durchbrochen. Huss und sein Team werden aus diesem Grund die Messungen einstellen.

 

 

 

 

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