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Kanton St.Gallen verliert jahrelangen Rechtsstreit um Stiftsbezirk-Dokumente

Der Kanton St.Gallen verliert einen langwierigen Rechtsstreit um Grabungsdokumentationen. Das Aargauer Obergericht verweigert die Herausgabe der Dokumente.

14.08.2019 / 09:06 / von: mma
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Die wichtigsten Elemente der Kathedralgrabungen der 1960er Jahre sind damit inzwischen wieder in St.Gallen. (Bild: RADIO TOP/Marija Lepir)

Die wichtigsten Elemente der Kathedralgrabungen der 1960er Jahre sind damit inzwischen wieder in St.Gallen. (Bild: RADIO TOP/Marija Lepir)

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Der Kanton St.Gallen hat in den vergangenen Jahren versucht, die originalen Dokumentationen der Kathedralgrabungen der 1960er-Jahre im Unesco-Weltkulturerbe Stiftsbezirk St.Gallen nach St.Gallen zu holen. Das Aargauer Obergericht hat nun die Herausgabe der Grabungsdokumentation an den Kanton abgelehnt. Da ein Weiterzug vor Bundesgericht wenig Erfolg verspreche, verzichte der Kanton St.Gallen darauf. Dies teilt er am Mittwoch mit.

Hintergrund ist ein jahrelanger Rechtsstreit. Der emeritierte Archäologieprofessor Hans Rudolf Sennhauser, welcher in den 60er-Jahren die Ausgrabungen im Zusammenhang mit der Gesamtrenovation der Kathedrale St.Gallen leitete, gründete 2009 die «Stiftung für Forschung in Spätantike und Mittelalter - HR. Sennhauser». Er brachte darin die zahlreichen in Bad Zurzach lagernden Grabungsdokumentationen aus verschiedenen Kantonen als Stiftungsgut ein. Da die betroffenen Kantone die Dokumentationen als öffentliches Eigentum betrachten, gründeten sie eine Task Force. Verhandlungen um die Rückgabe der Dokumentationen führten zu keinem Erfolg. Deshalb schlugen die Kantone Basel-Stadt, Luzern und St.Gallen im Jahr 2013 den Gerichtsweg ein.

Obergericht revidiert Bezirksgerichturteil

Im Mai 2016 fand die Verhandlung vor dem Bezirksgericht Zurzach statt. Dieses schlug Vergleichsverhandlungen vor und sistierte das Verfahren. Da es zu keiner Einigung kam, wurde im April 2017 das Verfahren wiederaufgenommen. Im Oktober 2017 gab das Bezirksgericht Zurzach dem Kanton St.Gallen weitgehend recht. 

Sennhauser jedoch zog das Urteil ans Obergericht weiter – mit Erfolg. Das Aargauer Obergericht kippte das vorinstanzliche Urteil und entschied, dass die Forderungen aus einem allfälligen Auftragsverhältnis inzwischen verjährt seien. Es verneinte, dass die Grabungsdokumentation zwingend zu den Funden gehöre.

Keine Originaldokumente

Das Amt für Kultur hatte in den vergangenen Jahren eine Sicherung der Funde und Dokumentationen sowie eine Klärung der Eigentumsverhältnisse angestrebt. Gesichert werden konnten dank des juristischen Prozesses immerhin die Funde, es handelt sich um rund drei Tonnen Fundmaterial, sowie die Digitalisate eines Grossteils der Grabungsdokumentation, heisst es in der Mitteilung des Kantons weiter. Die wichtigsten Elemente der Kathedralgrabungen der 1960er Jahre sind damit inzwischen wieder in St.Gallen. Die originalen Grabungsdokumentationen jedoch, die weiteren Aufschluss über einzelne Aspekte des Weltkulturerbes Stiftsbezirk St.Gallen geben könnten, verbleiben in Bad Zurzach.

Die Dokumentationen der Ausgrabungen der Jahre 1963 bis 1967 sind von grosser Bedeutung für das Verständnis, die Bewahrung und die Erforschung des Weltkulturerbes Stiftsbezirk St.Gallen. Die Dokumentation ist für die Interpretation und Einordnung der bedeutenden Funde relevant. Nun muss die Kantonsarchäologie mit den Digitalisaten, die nicht die ganze Dokumentation abdecken, vorliebnehmen.

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