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Milo Rau fordert von St.Gallen Rückgabe der Mumie Schepenese

Der Regisseur und Autor Milo Rau fordert die «Befreiung» der Mumie Schepenese: Er will die Preissumme des St.Galler Kulturpreises, der ihm am Donnerstag verliehen wird, für die Rückführung nach Ägypten einsetzen.

17.11.2022 / 09:47 / von: cna/sda
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Der Regisseur und Autor Milo Rau fordert die "Befreiung" der Mumie Schepenese. (Archivbild: KEYSTONE/DPA/JÖRG CARSTENSEN)

Der Regisseur und Autor Milo Rau fordert die "Befreiung" der Mumie Schepenese. (Archivbild: KEYSTONE/DPA/JÖRG CARSTENSEN)

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Im Barocksaal der St. Galler Stiftsbibliothek, zwischen mittelalterlichen Handschriften, liegt sie seit über 200 Jahren als exotische Kuriosität - und heimliche Hauptattraktion: die altägyptische Mumie Schepenese.

Die Tochter eines ägyptischen Priesters lebte vor 2600 Jahren. Sie starb mit gut 30 Jahren. Heute befindet sich ihr einbalsamierter Körper ausgewickelt in einem gläsernen Sarg. «Diese fragwürdige Zurschaustellung ist einer Kulturmetropole wie St. Gallen unwürdig», wird Milo Rau, der in St. Gallen aufwuchs, in einer Mitteilung zitiert. Deshalb investiere er das Preisgeld für den Grossen Kulturpreis von 30'000 Franken in die Rückführung der Mumie.

Fragwürdige Attraktion

Rau fordert zusammen mit einer Expertenkommission um die ägyptische Filmemacherin Rabelle Erian, den St. Galler Theologen Rolf Bossart und die ägyptische Professorin Monica Hanna die «Wiedergutmachung eines alten Unrechts». Auch wenn die Provenienz der Mumie so gut wie möglich geklärt sei, blieben doch am Anfang der Kette der Grabraub und am Ende eine ethisch und juristisch fragwürdige Attraktion.

Schepenese soll bis Ende 2023 nach Ägypten zurückkehren und bis dahin an einem angemessenen Ort aufbewahrt werden. Diese Forderung wird am Donnerstag im Vorfeld der Verleihung des Kulturpreises mit einem Ritual, einer Medienkonferenz und einer Debatte mit Expertinnen und Experten lanciert.

Die Mumie wird auch der prominente Gast in Milo Raus am Donnerstag beginnender Ausstellung «Warum Kunst?» in der Kunst Halle St. Gallen sein. Die Ausstellung schaut auf 15 Jahre Kunst und Aktivismus des Theaterregisseurs, Intendanten und Autors zurück. Anhand Raus Werk werden in der Ausstellung fundamentale Fragen gestellt: Ist eine globale, transnationale Kunst möglich? Kann Kunst die Welt verändern - warum überhaupt Kunst?

Welt und Kunst wird verschränkt

Die St. Galler Kulturstiftung ehrt Milo Rau mit dem Grossen Kulturpreis, «weil er sich seit Jahren immer wieder einmischt und seine Finger mitten in die Wunden legt, die erst dann heilen können, wenn der Grund der Verletzung klar ist und sich direkt oder indirekt Betroffene dazu äussern können».

In seinen Projekten verschränkt der 45-Jährige Welt und Kunst. Im Dokumentarfilmprojekt «Kongo Tribunal» etwa versammelte Rau in Bukavu 60 Opfer, Täter, Zeugen und Analytiker des Kongokriegs zu einem einzigartigen zivilen Volkstribunal im Ostkongo. Erstmals in der Geschichte dieses zwanzigjährigen Krieges liess er dort drei Fälle exemplarisch verhandeln.

Die Auseinandersetzung mit dem Freiheitsbegriff stand im Zentrum seiner Regiearbeit «Wilhelm Tell» nach Friedrich Schiller am Schauspielhaus Zürich, welche am 23. April Premiere auf der Pfauenbühne feierte.

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