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St.Galler Spitäler und Kliniken verlieren bis Ende Jahr 66 Millionen Franken

Die St.Galler Regierung rechnet für alle Spitäler und Kliniken im Kanton bis Ende Jahr wegen entgangener Behandlungen mit Einnahmeausfällen in der Höhe von 66 Millionen Franken. Unter anderem werden nicht alle verschobenen Operationen nachgeholt.

10.07.2020 / 11:23 / von: lny/sda
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Während der Corona-Krise sanken am Kantonsspital St. Gallen die Konsultationen im Notfall um die Hälfte, obwohl es dort gar keine Einschränkungen gegeben hatte. (Bild: KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Während der Corona-Krise sanken am Kantonsspital St. Gallen die Konsultationen im Notfall um die Hälfte, obwohl es dort gar keine Einschränkungen gegeben hatte. (Bild: KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

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Negative Finanzzahlen von Spitälern beinhalten manchmal auch positive Botschaften. Das zeigt sich unter anderem bei der Antwort der St.Galler Regierung auf einen Vorstoss: Die Spitäler seien aufgrund des Behandlungsverbots mit erheblichen Einnahmeausfällen konfrontiert, «die nicht mit Erträgen von Covid-19-Patientinnen und Patienten kompensiert werden konnten, weil die Patientenzahlen deutlich unter den Prognosen geblieben sind», schrieb sie.

Im fraglichen Vorstoss - eingereicht von der SP-Grünen-Fraktion - geht es um die finanzielle Unterstützung für die St.Galler Spitäler wegen der Corona-Pandemie. Darin rechnet die Regierung vor, dass alle Spitäler im Kanton St. Gallen für entgangene ambulante und stationäre Behandlungen Ertragsausfälle in der Grössenordnung von rund 66 Millionen Franken hinzunehmen hätten. Eine präzisere Erfassung sei aber erst gegen Ende 2020 möglich.

Kein Ausgleich bis Ende Jahr

Klar ist: Die Spitäler mussten wegen der Massnahmen gegen die Pandemie auf Geheiss des Bundesrates zwischen dem 17. März und dem 26. April zahlreiche Operationen und Behandlungen verschieben. Nur: Werden diese Eingriffe in den Wochen danach nicht ohnehin nachgeholt, weil sie gesundheitlich notwendig sind, und die Ausfälle gleichen sich aus?

Die Frage geht an Daniel Germann, CEO des Kantonsspitals St.Gallen. Sechs Wochen nach dem Start des Normalbetriebs zeige es sich zwar, dass ein Teil der verschobenen Eingriffe nachgeholt werde, sagte er zu Keystone-SDA. Einzig die Kapazitäten des Spitals setzten bei diesen zusätzlichen Fällen Grenzen.

Alles werde aber kaum aufgeholt. So gebe es Patientinnen und Patienten, die bei Wahleingriffen an ein anderes Spital wechselten, etwa wenn sie dort einen schnelleren Termin bekämen. Weiter würden einige der im Frühjahr geplanten Operationen, wie etwa solche gegen Krampfadern, im Sommer eher vermieden.

Während des Lockdowns seien aber beispielsweise auch regelmässige Nachkontrollen im Spital weggefallen. Diese würden nun nicht nachgeholt, sondern fänden beim nächsten regulären Termin statt.

Rückgang bei den Notfällen

«Zahlenmässig am stärksten haben sich die Massnahmen wegen der Pandemie auf die Notfälle ausgewirkt, obwohl es dort gar keine Einschränkungen gegeben hat», so Germann.

Die Konsultationen hätten sich auch dort halbiert. Zum Teil seien es Bagatellfälle gewesen, die weggefallen seien. Aber auch bei ernsthaften Notfällen - etwa bei Herzinfarkten - seien Leute aus Vorsicht nicht ins Spital gegangen. Die Zahlen hätten den Stand vor der Corona-Krise noch nicht erreicht.

Wie sich all diese Faktoren bis Ende Jahr auswirken werden, sei schwierig zu sagen. Budgetiert habe das Kantonsspital für 2020 ein Minus von rund 10 Millionen Franken. Der CEO des Kantonsspitals erwartet, dass die Rechnungszahlen schlechter ausfallen werden.

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