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Wenn der Pöstler nicht mehr kommt

Jahr für Jahr bedient die Post weniger Häuser mit regulären Zustellungen. Vor fünf Jahren waren es noch knapp 900 Häuser, die von der Post abgehängt werden. Letztes Jahr dürften es gegen 1500 sein.

17.06.2019 / 04:37 / von: lli
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Wenn der Pöstler nicht mehr kommt. (Symbolbild: RADIO TOP)

Wenn der Pöstler nicht mehr kommt. (Symbolbild: RADIO TOP)

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Dieser Anstieg der Häuser, die nicht mehr von der Post bedient werden, habe sich auch 2018 fortgesetzt, weiss Andreas Herren, Sprecher der Postregulationsbehörde Postcom, wie der «Tages Anzeiger» berichtet. Wie viele Häuser es Ende Dezember waren, wird die Postcom heute Montag bekannt geben, wenn sie ihren Jahresbericht vorstellt. Es dürften gegen 1500 sein.

Diese Zahl hat in den letzten Jahren jeweils um über 12 Prozent zugenommen. Trotzdem bleibt es eine Minderheit. Rund ein Promille aller Häuser werden von der Post nicht regulär bedient. Doch gerade in dünn besiedelten ländlichen Gebieten geht die Angst um, abgehängt zu werden.

Bundesrat lässt sich Zeit

Entsprechend gibt es politischen Widerstand gegen den Abbau der Leistungen seitens der Post. Motionen im National- und Ständerat wollen das Problem angehen. Obwohl die Motionen bereits vor zwei Jahren eingereicht worden sind, hat der Bundesrat bislang wenig unternommen. Er will sich dem Thema allerdings noch dieses Jahr annehmen.

Die Post hat nach heutigen Bestimmungen viel Spielraum bei der Zustellung. Die Post muss nur Siedlungen bedienen, wenn auf 1 Hektare Land mindestens fünf ganzjährig bewohnte Häuser stehen. Wenn allerdings die Strassenverhältnisse schlecht sind oder eine Gefahr für die Pöstler besteht, kann die Post trotzdem auf eine Zustellung verzichten.

Appenzell und Toggenburg könnten betroffen sein

Bei Strassendörfern, also wenn Ortschaften sich grossflächig entlang einer Strasse ziehen, ist die Zustellpflicht schnell nicht mehr gegeben, so die Ansicht der Postcom (Eidgenössische Postkommission). Bei solchen Streusiedlungen, wie sie beispielsweise in den beiden Appenzell oder im Toggenburg vorkommen, ist die Gefahr von Leistungskürzungen deshalb gross.

Die Post selbst nimmt für sich in Anspruch, sie gehe «sehr umsichtig mit dem Thema um». Man nutze den gesetzlichen Spielraum bei weitem nicht aus. «Wir könnten viel mehr Häuser meiden - tun dies jedoch nicht», sagt Post-Sprecher François Furer gegenüber dem «Tages Anzeiger». Betroffene können sich aber bei einer Nicht-Zustellung ihrer Post wehren. Die Post gibt solchen Beschwerden in der Regel nach.

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Philipp M. Rittermann
am 17.06.2019 um 08:53
«Wir könnten viel mehr Häuser meiden – tun dies jedoch nicht.» bravo. diese aussage des post-sprechers sagt alles zur interpretation des versorgungsauftrages der post aus... - und widerspiegelt leider die archetypische haltung vieler beamten in unserem bananen-staate. einmal mehr zeigt dieses beispiel auf, wie die "kleinen könige" in den teppich-étagen unserer staatsnahen betriebe bequem, ohne druck und mit reichhaltig steuergeldern der persönlichen eitelkeit frönen dürfen.einmal mehr. der "beamten-status" wurde leider nur auf dem papier abgeschafft. es wäre nun an unserem behäbigen bundesrat, seine betriebe endlich auf linie zu bringen-, bzw. deren führungen beizubringen, wofür sie eigentlich da äh-wären.