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Festivals unter Zugzwang der «Grünen Welle»

Festivals sehen sich zunehmend mit dem Thema Nachhaltigkeit konfrontiert. Mit Becherdepots, Badeverboten oder Abfalljetons wollen sie dafür sorgen, dass die Auswirkungen auf die Natur möglichst gering bleiben - ein Tropfen auf dem heissen Stein?

17.05.2019 / 16:34 / von: abl
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Die Festivalbesucher hinterlassen häufig Müllberge - wie hier am Openair Frauenfeld. (Bild: Screenshot TELE TOP)

Die Festivalbesucher hinterlassen häufig Müllberge - wie hier am Openair Frauenfeld. (Bild: Screenshot TELE TOP)

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Die Winterthurer Musikfestwochen setzen ein Zeichen für die Nachhaltigkeit: Sie setzen ab diesem Jahr komplett auf Solarstrom. Entsprechende Bemühungen seien schon seit Jahren in Arbeit, heisst es von den Organisatoren, bisher scheiterten sie aber an den Finanzen. 

Wie andere Festivals im Sendegebiet sich für die Nachhaltigkeit einsetzen, im Beitrag von RADIO TOP:

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Erst gestern teilte das Openair St.Gallen mit, ab diesem Jahr klimaneutral werden zu wollen. Das als erstes grosses Schweizer Festival. Bereits in den vergangenen Jahren versuchte das Openair mit unterschiedlichen Massnahmen, nachhaltiger zu werden. So wird beispielsweise an den Essensständen nur Schweizer Fleisch verkauft und Gäste erhalten 50 Prozent Ermässigung auf Bahnbillette, wenn sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. 

Die grünen Massnahmen der Organisatoren des Openair St.Gallen:

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Trotzdem ist ein Openair belastend fürs Klima, gerade auch beispielsweise, weil Künstler extra für einen kurzen Auftritt eingeflogen werden müssen. «Wir haben unsere Emissionen bereits mehrfach berechnen lassen», erklärt Nora Fuchs vom Openair St.Gallen, «und aktuell ist es nicht möglich für uns, komplett klimaneutral zu werden. Deshalb kompensieren wir unsere CO2-Restemissionen mit Investitionen in Klimaschutzprojekte.»

Kein Druck bei anderen Openairs

Auch das Openair Frauenfeld bemüht sich um Nachhaltigkeit. So werden beispielsweise in diesem Jahr mehr Zeltabgabestellen eingerichtet. «So haben Gäste nun wirklich keine Ausrede mehr, ihr Zelt einfach liegenzulassen», sagt Joachim Bodmer vom Openair Frauenfeld. Den Rabatt auf Bahnbillette, wie ihn das Openair St.Gallen kennt, bietet das Openair Frauenfeld ebenfalls an. Ausserdem dürfen Gäste aus Naturschutzgründen nicht mehr in der Thur baden. 

Sieht sich das Openair Frauenfeld aber durch die Zeichen, die die Musikfestwochen und das Openair St.Gallen setzen unter Zugzwang? Joachim Bodmer relativiert: «Es stellt sich natürlich die Frage, ob man sich marketingwirksam als grünes Festival positioniert, oder ob man die entsprechenden Massnahmen einfach trifft.» Ausserdem sei ein Vergleich rein von den Dimensionen her unmöglich - mit 180'000 Gästen ist das Openair Frauenfeld deutlich grösser als die anderen Festivals.

Auch das Zürich Openair fühlt sich durch die Massnahmen der anderen Festivals nicht unter Druck gesetzt. Für Rolf Ronner vom Zürich Openair ist beispielsweise die Strategie des Openairs St.Gallen nicht unbedingt der richtige Ansatz: «Wir möchten effektiv die Ursache möglichst gering halten und nicht einfach zum Schluss sagen: Diese Emissionen haben wir nun einmal, und uns dann ein Zertifikat kaufen.»

Das Zürich Openair setzt dafür beispielsweise auf kurze Transportwege. Ausserdem ist es das einzige Festival ohne Parkplatz, sodass praktisch alle Gäste mit dem öffentlichen Verkehr anreisen müssen. «Wir haben aber noch einige Ideen, die wir in den nächsten Jahren umsetzen möchten», verspricht Ronner. Eine Massnahme, die das Zürich Openair für den Naturschutz umsetzen muss, ist eine Verkleinerung des Geländes: Die Glatt soll dort nämlich renaturiert werden.

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