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Kanton Thurgau will keine Hate-Crime-Statistik

Vorstösse in mehreren Kantonen fordern eine separate Erfassung von Angriffen und Straftaten, die sich gegen Menschen mit einer bestimmten sexuellen Orientierung richten. Die Thurgauer Kantonsregierung winkt ab.

21.11.2020 / 11:22 / von: abl
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Die Stadt Zürich erfasst sogenannte «Hate Crimes» in einer separaten Statistik. (Bild: RADIO TOP/Sarah Frattaroli)

Die Stadt Zürich erfasst sogenannte «Hate Crimes» in einer separaten Statistik. (Bild: RADIO TOP/Sarah Frattaroli)

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Mehrere Thurgauer Kantonsräte forderten in einem Vorstoss, dass Angriffe gegen die LGBTIQ+-Community - also lesbische, schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche und intergeschlechtliche Menschen - in einer separaten Statistik erfasst werden sollen. Ausserdem soll die Polizei im Umgang mit dieser Problematik speziell geschult werden. 

Die Regierung will davon aber nichts wissen. Bei dieser Statistik bestehe die Gefahr einer subjektiven Einschätzung oder Fehlinterpretation der Hintergründe. Alleine aufgrund einer Tat könne nicht automatisch ein Motiv abgeleitet werden. In der Antwort heisst es im Wortlaut: «Motive, jemanden zusammenzuschlagen, gibt es leider vielerlei». Bei einem Angriff auf einen LGBTQI+-Menschen müsse es sich nicht automatisch um ein Hassverbrechen handeln. Ausserdem gehöre die sexuelle Orientierung einer Person zu den «schützenswertesten Personendaten». Deshalb sollte sie nur sehr zurückhaltend erfasst werden. 

Im Beitrag von TELE TOP äussern sich Thurgauer Politiker zur Regierungsratsantwort:

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Schwulen- und Lesbenorganisationen zeigen sich von der Regierungsratsantwort enttäuscht. Eine Statistik wäre wichtig, um auf die Problematik der Homophobie aufmerksam zu machen und sie zu enttabuisieren, betont beispielsweise Anna Rosenwasser von der Lesbenorganisation LOS: «Über derartige Übergriffe zu sprechen, ist in der Schweiz sehr schwierig. Nur weil wir nichts über homophobe Angriffe hören, heisst das nicht, dass es diese nicht gibt. Das heisst nur, dass man sich nicht getraut, darüber zu sprechen.»

Ein ähnlicher Vorstoss ist analog in 13 Kantonen eingereicht worden.

Die Stadt Zürich hat bereits entschieden, eine Vorreiterrolle einzunehmen und eine derartige Statistik anzulegen.

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