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Negativrekord für Bodenseefischer

Die Bodenseefischer verzeichnen einen neuen Negativrekord beim Fischfang. Wie aus der Jahresbilanz der Berufsfischer hervorgeht, sind 2018 nur knapp 130 Tonnen Felchen gefangen worden. Das sind so wenige wie noch nie seit Beginn der Messung vor über hundert Jahren.

20.06.2019 / 09:40 / von: mco
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Die Kormorane entnehmen dem Bodensee annähernd so viel Fisch wie die Berufsfischerei.(Symbolbild: pixabay.com/KarstenBergmann)

Die Kormorane entnehmen dem Bodensee annähernd so viel Fisch wie die Berufsfischerei.(Symbolbild: pixabay.com/KarstenBergmann)

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Das Fangjahr 2018 liegt mit einer Gesamtfangmenge von lediglich 263 Tonnen nur zwei Tonnen über dem historisch niedrigen Wert von 2015 und reiht sich somit in die zurückliegenden vier Jahre ein, welche durch eine Abfolge von historischen Niedrigerträgen gekennzeichnet waren, teilt die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) in einer Medienmitteilung mit.

2018 seien lediglich 127,4 Tonnen Felchen gefangen worden. Das ist ein Rückgang um 35 Prozent gegenüber dem schon sehr niedrigen Wert des Vorjahrs und der niedrigste seit Beginn der Statistikführung im Jahr 1910, heisst es weiter.

Auch bei anderen für die Berufsfischerei wichtigen Fischarten seien 2018 gegenüber dem Vorjahr starke Fangrückgänge verzeichnet worden: Weißfische inkl. Brachsen (-14 %), Karpfen (-30 %), Aal (-37 %), Seeforelle (-42 %) und Trüsche (-56 %). Einzig beim Barsch, am See auch Egli oder Kretzer genannt, wurde mit 70 Tonnen ein um 166 Prozent über dem Vorjahresfang von 26,5 Tonnen liegender Ertrag erzielt.

Kormorane stellen das Hauptproblem dar

Die Fischentnahmen der Kormorane aus dem Bodensee und den Zuflüssen werden auf mindestens 300 Tonnen jährlich beziffert, heisst es in der Mitteilung weiter. Die Vögel entnehmen demnach annähernd so viel Fisch aus dem See wie die Berufsfischerei. Dies solle nicht nur Auswirkungen auf die Fangerträge, sondern auch auf die Bestandssituation bedrohter Fischarten haben. Die Fischer fordern daher ein wirksames internationales Kormoranmanagement rund um den See.

Der sehr hohe Kormoranbestand sei neben dem niedrigen Nährstoffgehalt des Sees und dem weiterhin hohen Stichlingsaufkommen (Stichlinge sind direkte Nahrungskonkurrenten der Felchen und fressen auch Felcheneier und Felchenlarven) eine der Hauptursachen für den sehr niedrigen Fischbestand.

Sorge bereite den Fischern auch die aus dem Schwarzmeergebiet stammende Quagga-Muschel, die sich seit zwei Jahren im gesamten See explosionsartig ausbreite. Durch ihre Filtrationstätigkeit reduziert sie die Planktonverfügbarkeit im See und damit die Nahrungsgrundlage der Fische.

Auf dem Bodensee-Obersee waren 2018 nur noch 79 Berufsfischer tätig, dies ist ein Rückgang um 17 gegenüber dem Vorjahr. Der Strukturwandel setzt sich 2019 fort. Stand Februar sind nur noch 69 Hochseepatente vergeben.

TELE TOP geht dem Kormoran-Problem auf den Grund:

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