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Tötungsdelikt Wagenhausen: noch kein Urteil im Berufungsprozess

Nach dem Bezirksgericht Frauenfeld befasst sich nun das Thurgauer Obergericht mit einem speziellen Tötungsdelikt: Ein heute 52-jähriger Mann hatte Anfang 2016 seine erwachsene Tochter zu Tode getrampelt.

13.03.2019 / 16:25 / von: lli/sda
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In diesem Gebäude hat sich damals die Tat ereignet. (Screenshot: TELE TOP)

In diesem Gebäude hat sich damals die Tat ereignet. (Screenshot: TELE TOP)

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Vor einem Jahr verurteilte das Bezirksgericht den Beschuldigten wegen eventualvorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren. Er habe mit dem Tod der jungen Frau rechnen müssen und ihn in Kauf genommen. Die Verteidigung hatte auf drei Jahre wegen fahrlässiger Tötung plädiert.

Der Staatsanwalt hatte eine Bestrafung mit 14 Jahren Freiheitsentzug gefordert. Er hatte ausser eventualvorsätzlicher Tötung auch Vorwürfe der Schändung sowie Störung des Totenfriedens erhoben. In diesen Anklagepunkten kam das Gericht jedoch zu Freisprüchen.

Urteil wird in 10 Tagen erwartet

Auch im Berufungsprozess vor dem Obergericht Thurgau wurden von Seiten der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung dieselben Argumentationen geäussert. Das Urteil des Obergerichts wird nun in knapp 10 Tagen erwartet.

Beim Prozess nicht dabei waren die Angehörigen des Opfers. Sie waren aus emotionalen Gründen nicht fähig, vor Gericht zu erscheinen. Ihr Vertreter machte den Richtern noch einmal deutlich, dass es sich nicht um einen normalen Prozess handle, sondern um eine grauenvolle Tat, die mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden soll.

Verteidigung fordert milderes Urteil

Von den Anklagepunkten Schändung und Störung des Totenfriedens sprach das Gericht den Mann frei. Es glaubte ihm, dass er mit den sexuellen Manipulationen an der Sterbenden deren «Basis-Shakra» stimulieren und sie damit wiederbeleben wollte. Das Urteil wurde sowohl von der Staatsanwaltschaft als auch von der Verteidigung angefochten. Der Staatsanwalt verlangte «mindestens 13 Jahre» Freiheitsentzug. Statt Freisprüche wegen Schändung - alternativ Störung des Totenfriedens - seien Schuldsprüche zu fällen.

Die Verteidigung beanstandete einzig das Strafmass. Der Beschuldigte anerkannte sowohl den Schuldspruch als auch die Zivilleistungen. Neun Jahre seien aber klar zu viel - dem Verschulden seines Mandanten angemessen seien 4,5 Jahre Freiheitsentzug.

Mit blossen Füssen totgetrampelt

Das Opfer, eine 25-jährige, sehr zart gebaute, kleinwüchsige und geistig behinderte Frau, war die Tochter des Deutschen. Sie und ihr Vater hatten sich allerdings erst zweieinhalb Jahre vor der Tat kennengelernt. Beide waren in der Mittelalter-Szene aktiv. Zum tödlichen Vorfall kam es am Abend des 2. Januar 2016 in Wagenhausen TG in der Wohnung eines Bekannten, der zur Tatzeit ausser Haus war.

Um der Tochter einen Dämon auszutreiben, nahm der Vater eine «Massage» vor, bei der er mit blossen Füssen kräftig auf ihrem Körper herumtrampelte. Das Opfer erlitt schwerste innere Verletzungen. Obwohl die Verletzte zusammenbrach, holte der Vater keine Hilfe - er glaubte, sie selbst reanimieren zu können. Dies gelang ihm jedoch nicht. Die junge Frau starb.

Der Mann wurde noch in der Tatnacht festgenommen. Der in Deutschland wegen Drogendelikten und wegen Körperverletzung vorbestrafte Mann befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug.

 

 

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