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Verein lanciert Initiative für einen Bürgerdienst

Alle Menschen in der Schweiz sollen künftig einmal im Leben einen Bürgerdienst zu Gunsten der Allgemeinheit und der Umwelt leisten. Das will ein Komitee um den Verein ServiceCitoyen.ch in der Verfassung verankern und das heutige Dienstsystem modernisieren.

26.04.2022 / 09:00 / von: sda/ame
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Ob im Zivilschutz oder anderswo: Eine Volksinitiative verlangt einen Bürgerdienst für alle Schweizerinnen und Schweizer. Im Bild Zivilschützer beim Einsatz für Geflüchtete aus der Ukraine. (Archivbild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA)

Ob im Zivilschutz oder anderswo: Eine Volksinitiative verlangt einen Bürgerdienst für alle Schweizerinnen und Schweizer. Im Bild Zivilschützer beim Einsatz für Geflüchtete aus der Ukraine. (Archivbild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA)

Mit der Initiative «Für eine engagierte Schweiz (Service-Citoyen-Initiative)» wollen die Initianten den Artikel 59 der Verfassung ergänzen, der den Militär- und Ersatzdienst regelt. Am Dienstag wurde die Initiative in Bern lanciert. Bis 26. Oktober 2023 müssen 100'000 Unterschriften beisammen sein, damit sie zustande kommt.

Mit der geänderten Verfassung sollen Bürgerinnen und Bürger einen Service Citoyen zu Gunsten von Allgemeinheit oder Umwelt leisten. Gemeint ist ein Dienst in der Armee oder ein gleichwertiger Milizdienst. Der Sollbestand von Armee und Zivilschutz muss dabei garantiert bleiben.

Die Form und Art der Einsätze soll sich am heutigen Zivildienst orientieren. Heute würden nur neun Prozent der Zivildienst-Einsätze zu Gunsten von Natur und Umwelt geleistet, sagte Noémie Roten, Co-Präsidentin von ServiceCitoyen.ch, vor den Medien. Deshalb solle das Engagement für die Umwelt in der Verfassung verankert werden.

Auch für Ausländer

Nach Möglichkeit sollen auch Ausländerinnen und Ausländer, die in der Schweiz wohnen, Dienst leisten. Die Details dazu solle das Parlament im Gesetz regeln, mit Rücksicht auf die Praktikabilität, sagte Roten. Allen Dienstleistenden soll der Erwerbsausfall entschädigt werden – auch das soll gesetzlich geregelt werden.

Erleidet jemand bei der Armee oder im Ersatzdienst einen gesundheitlichen Schaden oder kommt ums Leben, hat er oder sie laut Verfassung Anspruch auf angemessene Unterstützung vom Bund. Die Initiative will das für alle festschreiben, die Bürgerdienst leisten.

Wer den vorgeschriebenen Einsatz nicht leistet, schuldet wie heute für den nicht geleisteten Militär- und Ersatzdienst eine Ersatzabgabe. Ausnahmen von der Abgabepflicht sollen im Gesetz geregelt werden. Sechs Monate seien ein guter Ansatz, sagte Roten auf die Frage zur Dauer der Einsätze.

Potenzial von allen nutzen

Um die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu meistern, müssten die zivilen und militärischen Schutzinstrumente angepasst werden, schreibt das Initiativkomitee. Nur rund jeder dritte der 20-Jährigen leiste heute Dienst bei Armee, Zivilschutz oder Zivildienst.

Mit der fortschreitenden Internationalisierung gebe es immer mehr Menschen, die traditionell wenig am Milizsystem partizipierten und von lokalen Behördenämtern ausgeschlossen seien. Die Initiative will auf das Potenzial aller im Land setzen, neben Frauen auch Ausländer und Dienstuntaugliche.

Im Initiativkomitee sitzen sechs Parlamentsmitglieder, nämlich die Nationalräte Emmanuel Amoos (SP/VS), Rocco Cattaneo (TI) und Maja Riniker (AG) von der FDP sowie Corina Gredig (GLP/ZH) sowie die Freiburger FDP-Ständerätin Johanna Gapany und der Jurassische Standesvertreter Charles Juillard (Mitte). Mit von der Partie ist auch der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (Grüne).

Der Verein ServiceCitoyen.ch wurde 2013 in Genf gegründet, hat aber eine Zweitniederlassung in Zürich. Sein Ziel ist ein zukunftstaugliches Milizsystem. Zu seinen Partnern für die Initiative gehören die GLP, die Piratenpartei sowie die Junge GLP, die Junge Mitte, die Junge EVP und der Verein Männer.ch.

Dienstpflicht für Frauen in Prüfung

Der Bundesrat prüft eine Ausweitung der Dienstpflicht auf Frauen, wie er im März bekannt gab. Er will sich aber am Bedarf orientieren und nur so viele Personen rekrutieren, wie Armee und Zivilschutz benötigen. Das wären rund die Hälfte aller Stellungspflichtigen – bei einem doppelt so grossen Rekrutierungspool.

Armee und Zivilschutz haben Schwierigkeiten, ihre Sollbestände zu halten. Nach Angaben des Bundesrates wird der Sollbestand des Zivilschutzes von 72’000 Personen bereits leicht unterschritten. Und die Armee wird demnach gegen Ende des Jahrzehnts Schwierigkeiten haben, den Bestand von 140'000 Armeeangehörigen sicherzustellen.

Eine Bürgerdienstpflicht, die alle Frauen einbezieht und wie sie die Initiative fordert, ist für den Bundesrat aber vom Tisch. Auch eine «Bürgerdienstpflicht mit Wahlfreiheit» hat er verworfen. ServiceCitoyen.ch merkt dazu an, dass der von ihm vorgeschlagene Bürgerdienst «eine grosse Mehrheit der Bevölkerung» überzeuge.