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Die USA wählen einen neuen Präsidenten

In den USA wird am 3. November ein neuer Präsident gewählt. Der aktuelle Präsident Donald Trump von den Republikanern will nochmals vier Jahre im Weissen Haus bleiben. Sein Herausforderer von den Demokraten Joe Biden will dies allerdings verhindern. Eine Übersicht zu den bevorstehenden Wahlen.

03.11.2020 / 22:17 / von: rme/sda
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Der Republikaner Donald Trump (links) und der Demokrat Joe Biden (rechts) duellieren sich bei den US-Präsidentschaftswahlen 2020. (Bild: KEYSTONE/AP/Patrick Semansky)

Der Republikaner Donald Trump (links) und der Demokrat Joe Biden (rechts) duellieren sich bei den US-Präsidentschaftswahlen 2020. (Bild: KEYSTONE/AP/Patrick Semansky)

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Die USA wählt am 3. November einen neuen Präsidenten. Nach vier Jahren mit Donald Trump (74) wünschen sich viele einen Umschwung. Trump will für die Republikaner allerdings nochmals vier Jahre im Amt bleiben. Er selber ist überzeugt, dass er dies ohne Probleme schafft. Auch seine Anhänger und Verbündeten innerhalb Republikanischen Partei zweifeln nicht daran, dass Donald Trump auch für die nächsten vier Jahre im Weissen Haus bleibt.

Schliesslich habe er während seiner bisherigen Amtszeit viel erreicht. Er habe seine «America First»-Politik wahr gemacht, die Wirtschaft wieder in Schwung gebracht und auch viele Soldaten aus Kriegsländern zurückgeholt. Ihm seien aber auch viele Steine in den Weg gelegt worden. Die Demokraten hätten viel verhindert.

Weiter seien über die ganzen vier Jahre viele Lügen von der Presse und seinen politischen Gegner veröffentlicht worden, sagt James Foley von den Republicans Overseas Switzerland, den Republikanern in der Schweiz. Auch sei sein Verhalten ständig harsch kritisiert worden. «Wir unterstützen Trump nicht wegen seinem Verhalten, sondern wegen seinen Leistungen und was er für das Land gemacht habe», so Foley weiter.

James Foley von den Republikanern über die mögliche Wiederwahl von Donald Trump im Beitrag von RADIO TOP:

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Der Herausforderer Joe Biden

Die Demokraten wollen verhindern, dass Donald Trump nochmals vier Jahre im Weissen Haus bleibt. Aus ihrer Sicht hat er in den vergangenen Jahren ein grosses Chaos angerichtet, das eigene Land gespalten und das Ansehen der USA im Ausland geschwächt. Für die Demokraten soll deshalb Joe Biden (77) die Präsidentschaftswahl gewinnen. Sie sehen ihn als Übergangspräsidenten.

Sie haben die Hoffnung, dass Biden das Land wieder vereint, erklärt Miriam Spiegel von den Democrats Abroad Switzerland, den Demokraten in der Schweiz. Schwarz und Weiss, Rechts und Links und Arm und Reich sollen wieder zusammengebracht werden. Er selber sagt, er werde das Land wieder zurück zur Normalität führen. Biden hat bereits Erfahrungen gesammelt im Weissen Haus. Er war während der Präsidentschaft von Barack Obama Vizepräsident der USA.

Wie die Republikaner von Donald Trumps Wiederwahl überzeugt sind, glauben die Demokraten an einen Sieg von Joe Biden. Alles andere wäre aus Sicht der Demokratie eine Katastrophe, so Spiegel. Aber nicht nur die Demokraten selber hoffen auf einen Sieg von Biden. Es gibt auch viele Republikanische Politiker und Wähler, welche ihn unterstützen.

Miriam Spiegel von den Demokraten über die mögliche Wahl von Joe Biden im Beitrag von RADIO TOP:

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Die Wahlchancen der beiden Kandidaten

In den Umfragen liegt Herausforderer Joe Biden vor dem bisherigen US-Präsidenten Donald Trump. Ob sich der deutliche Vorsprung allerdings auch in einen Wahlsieg umwandelt, sind sich Experten noch nicht ganz sicher. Bereits vor vier Jahren hat mit Hillary Clinton die Demokratische Kandidatin in den Umfragen vorne gelegen. Allerdings war damals der Abstand geringer. Trotz den schlechteren Umfragewerten wurde Donald Trump zum neuen Präsidenten gewählt.

Auch in diesem Jahr seien die Umfragen vor den Wahlen mit Vorsicht zu geniessen, meint Claudia Brühwiler, USA-Kennerin und Politologin an der Universität St.Gallen HSG. Denn die Republikaner könnten ihre Wähler besser mobilisieren. Gegen Trump spricht unter anderem die Corona-Krise. Die Wirtschaft habe stark gelitten und die staatliche Unterstützung habe gefehlt.

Die Umfragewerte spricht auch US-Wahlexperte und Politologe Louis Perron an. Der grosse Unterschied liege in diesem Jahr sicher bei dem deutlichen Abstand von Joe Biden auf Donald Trump. Aber auch, dass sich die allgemeine Situation in den USA in den letzten vier Jahren geändert habe. Bei den letzten Wahlen hätten sich viele Republikaner über den Kandidaten Donald Trump gefreut. Er habe mit seiner Art die Politik der Republikaner wieder aufgefrischt.

Mittlerweile komme diese laute und angriffige Art von Donald Trump auch bei den republikanischen Wählern nicht mehr so gut an. Viele Wähler würden sich zudem auch fragen, weshalb im Weissen Haus immer so ein Lärm ist, weshalb braucht alles so lange und weshalb ist dort immer so ein «gstürm».

Viele US-Amerikaner hoffen auf ein deutliches Wahlergebnis. Würde der Wahlsieg knapp an Joe Biden gehen, könnte es im Land zu Unruhen kommen. Es sei unklar, wie Trump und seine Anhänger darauf reagieren werden. Donald Trump hat mehrmals durchblicken lassen, dass er eine mögliche Niederlage nicht akzeptieren werde. Im schlimmsten Fall müssten sich dann die Gerichte darum kümmern.

Sollte Donald Trump die Wahl effektiv knapp verlieren, hätte er wenig mehr zu verlieren, erklärt Louis Perron. So könnte er offensiv agieren. Zudem sei das höchste US-Gericht, der sogenannte Supreme Court, mehrheitlich republikanisch besetzt. Innerhalb der Präsidentschaft von Donald Trump sind drei neue Richter gewählt worden, welche er vorgeschlagen hat.

Die Experten Claudia Brühwiler und Louis Perron schätzen die Wahlchancen von Donald Trump und Joe Biden im Beitrag von RADIO TOP ein:

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Das Wahlsystem im Fokus

Die US-Wähler können nur indirekt darüber abstimmen, wer der nächste Präsident wird. Ihre Stimme entscheidet über die Zusammensetzung des Wahlkollegiums («Electoral College»), das dann den Präsidenten wählt. In 48 der 50 Bundesstaaten funktioniert das so: Der Kandidat, der sich eine Mehrheit sichern kann, bekommt alle Stimmen zugesprochen. Ein Beispiel: Falls Trump Florida mit 50,1 Prozent der Stimmen gewinnen sollte, bekäme er die Stimmen der 29 Wahlleute des Bundesstaats, Biden ginge komplett leer aus.

Amerikaner sprechen daher vom Prinzip «the winner takes all» (alles für den Gewinner). Einzig in den beiden kleinen Bundesstaaten Nebraska und Maine werden die Stimmen der Wahlleute annähernd proportional vergeben. Die Anzahl der Wahlleute eines Bundesstaats entspricht der von dort entsandten Zahl der US-Senatoren und Kongressabgeordneten und richtet sich damit in etwa nach der Einwohnerzahl.

Die Wahlleute stimmen 41 Tage nach der Präsidentenwahl ab, dieses Jahr am 14. Dezember. Sie richten sich dabei nach dem Ergebnis in ihrem Bundesstaat - in vielen Staaten würde den Wahlmännern und Wahlfrauen sonst eine Strafe drohen. Um Präsident zu werden, muss ein Kandidat mindestens die Stimmen von 270 Wahlleuten gewinnen.

Das offizielle Ergebnis wird dann erst am 6. Januar im Kongress bekanntgegeben. Wegen des indirekten Wahlsystems ist es möglich, dass ein Kandidat die meisten Direktstimmen bekommt, die Wahl aber trotzdem verliert. Das war zum Beispiel 2016 der Fall. Damals stimmten mehr Amerikaner für Hillary Clinton, Donald Trump konnte sich aber durch die von ihm gewonnenen Bundesstaaten die Mehrheit der Wahlleute sichern.

Das US-Amerikanische Wahlsystem im Beitrag von RADIO TOP einfach erklärt:

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Das ausführliche Interview mit Claudia Brühwiler zum Wahlsystem:

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Auswirkungen möglicher Wahlsieger auf die Schweiz

Der amtierende US-Präsident Donald Trump hat die letzten vier Jahre geprägt und auch polarisiert. Nicht nur die Politik in den USA, sondern auf der ganzen Welt hat er immer wieder für aufsehen gesorgt. Neben wirren Aussagen zum Coronavirus oder diversen Wutausbrüchen auf Twitter hat Trump auch bei der weltweiten Politik viel angerichtet. So hat er unter anderem einen Handelskrieg mit China angezettelt. Aber auch die US-Wirtschaft ist wegen fehlender Unterstützung in der Corona-Krise stark eingebrochen. Trotzdem seien die letzten vier Jahre für die Schweiz nicht unbedingt schlecht gewesen.

Die Beziehungen zu den USA seien recht gut gewesen. So ist mit Ueli Maurer ein Bundesrat im Weissen Haus gewesen und Donald Trump sei seinerseits am Weltwirtschaftsforum in Davos gewesen, so Claudia Brühwiler. Es habe in der Vergangenheit mehr Probleme gegeben, wenn ein Demokratischer Präsident im Amt war. Diese hätten meist kritisch auf unser Bankenwesen oder auch auf unsere Pharmaindustrie geblickt.

Ob allerdings der Besuch von Ueli Maurer im Weissen Haus und im Gegenzug der Besuch von Donald Trump am Weltwirtschaftsforum politisch effektiv etwas gebracht hat, ist für Louis Perron nicht abschliessend geklärt. Viele seien vom Auftritt des US-Präsidenten in Davos nicht wirklich begeistert gewesen. Deshalb spiele es aus Sicht der Schweiz nicht so eine grosse Rolle, ob Donald Trump oder Joe Biden zum nächsten US-Präsidenten gewählt wird.

Ein wichtiger Punkt für die Schweiz ist jedoch die Wirtschaft. Denn eine florierende US-Wirtschaft ist auch für die Schweiz gut. So haben verschiedene Firmen, wie der Thurgauer Zugbauer Stadler, einen Sitz in den USA. Aber auch US-Firmen sind in der Schweiz vertreten, bekanntestes Beispiel dürfte Google sein. Aber auch der Handel zwischen den beiden Ländern ist für die Schweiz sehr wichtig.

In den letzten vier Jahren habe die USA einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Louis Perron meint aber, dass dies nicht nur der alleinige Verdienst von Donald Trumps Politik sei. Beide Experten glauben, dass mit Joe Biden die Wirtschaft in den USA längerfristig stabiler und auch nachhaltiger wird.

Welcher Wahlsieger allenfalls besser für die Schweiz ist, erklären die Experten Claudia Brühwiler und Louis Perron im Beitrag von RADIO TOP:

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