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Gross-Demonstration in Paris nach Ermordung eines Lehrers

Die Ermordung eines Lehrers in Paris hat zahlreiche Demonstranten auf die Strassen bewegt. Sie haben sich dem Aufruf der Organisation SOS Racisme und der Lehrergewerkschaften angeschlossen.

18.10.2020 / 15:48 / von: cgr/sda
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In Paris demonstrieren zahlreiche Personen nach der Ermordung eines Lehrers. (Bild: Keystone/AP/Photo/Michel Euler)

In Paris demonstrieren zahlreiche Personen nach der Ermordung eines Lehrers. (Bild: Keystone/AP/Photo/Michel Euler)

Auf ihren Schildern steht «Je suis prof», also «Ich bin Lehrer». (Bild: Keystone/EPA/Yoan Valat)

Auf ihren Schildern steht «Je suis prof», also «Ich bin Lehrer». (Bild: Keystone/EPA/Yoan Valat)

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Minutenlanger Applaus im Gedenken an den brutal ermordeten Lehrer: Zehntausende haben in Frankreich mit einer riesigen Welle der Solidarität an den aus mutmasslich terroristischen Motiven getöteten Lehrer erinnert und für Meinungsfreiheit demonstriert.

Auf der Pariser Place de la République versammelten sich am Sonntagnachmittag trotz Corona Tausende. «Ihr macht uns keine Angst. Wir haben keine Angst», schrieb Premier Jean Castex, der ebenfalls bei der Kundgebung war. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Lehrer von einem 18-Jährigen enthauptet wurde, weil er Karikaturen des Propheten Mohammed im Unterricht gezeigt hatte.

Täter wurde von Polizei erschossen

Die brutale Ermordung des 47-Jährigen Geschichtslehrers hatte in ganz Frankreich riesiges Entsetzen ausgelöst. Auch in Städten wie Marseille oder Bordeaux gingen zahlreiche Menschen auf die Strasse. Staatsanwalt Jean-François Ricard schilderte am Wochenende, dass der Lehrer Anfang Oktober seinen Schülern das Thema Meinungsfreiheit näher bringen wollte. Anlass war die Diskussion um die erneute Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen im Satireblatt «Charlie Hebdo«.

Der laut Staatsanwaltschaft 2002 in Moskau geborene Täter mit russisch-tschetschenischen Wurzeln wurde kurz nach der Tat von der Polizei erschossen. Er veröffentlichte zuvor noch ein Foto des Opfers und schrieb, dass dieser den Propheten herabgesetzt habe.

Auf der Pariser Place de la République herrschte am Sonntagnachmittag dichtes Gedränge. Um Punkt 15 Uhr klatschten die Menschen minutenlang, um an den ermordeten Samuel Paty zu erinnern. Die brutale Attacke trifft Frankreich mitten in der zweiten Corona-Welle, von der das Land schwer getroffen ist. In Paris gilt die höchste Corona-Warnstufe, hier sind Versammlungen von mehr als 1000 Menschen eigentlich verboten - die Demo soll aber Medien zufolge dennoch von den Behörden genehmigt worden sein.

«Ich bin hier, um die Meinungsfreiheit zu verteidigen, die Freiheit der Lehre», sagt die 61-jährige Muriel. Sie sei Lehrerin, aber auch gleichzeitig Bürgerin. In ihrer Hand hält sie ein Schild, auf dem «Je suis enseignant.e» steht - zu deutsch: «Ich bin Lehrer/in». Damit erinnerte sie wie viele andere an das Schlagwort «Je suis Charlie». Es prägte die Zeit nach dem verheerenden Mordanschlag auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» 2015. Das Satireblatt hatte sich dem Demonstrationsaufruf in Paris angeschlossen.

Frankreichs Präsident zeigt sich erschüttert

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte bereits kurz nach der Tat sichtlich erschüttert von einem islamistischen Terrorakt gesprochen. Am Sonntag sollte unter seinem Vorsitz ein Verteidigungsrat tagen. Am Mittwoch will Frankreich mit einer nationalen Gedenkfeier an den brutal getöteten Lehrer erinnern. Auch die islamische Gemeinde reagierte auf die brutale Tat. Nichts rechtfertige die Ermordung eines Menschen, hiess es vom islamischen Dachverband Französischer Rat des muslimischen Kultes.

Der Lehrer war am Freitagnachmittag im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine von seinem Angreifer in der Nähe seiner Schule enthauptet worden. Mehrere Menschen aus dem Umfeld des Täters befanden sich am Sonntag in noch Polizeigewahrsam.

Erst vor wenigen Wochen hatte ein Mann vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude von «Charlie Hebdo» zwei Menschen brutal mit dem Messer attackiert. Er gab als Motiv ebenfalls Mohammed-Karikaturen an, die das Magazin veröffentlich hatte. Der Angreifer hatte es eigentlich auf die Redaktion abgesehen, wusste aber nicht, dass diese mittlerweile an einen geheimen Ort umgezogen ist.

Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorwelle heimgesucht, bei der bisher mehr als 250 Menschen starben.

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