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Russische Wissenschaftler: Altersrekord von 122 Jahren könnte verfälscht sein

Der bisherige Altersrekord geht möglicherweise auf einen Betrug zurück: Zwei russische Wissenschaftler halten es für sehr wahrscheinlich, dass nicht Jeanne Calment 1997 im Alter vom 122 Jahren gestorben ist, sondern ihre Tochter Yvonne.

03.01.2019 / 15:29 / von: vsu/sda
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Die in Arles geborene Französin, Jeanne Calment, hält den Altersrekord. (Bild: wikipedia.org/Creative Commons)

Die in Arles geborene Französin, Jeanne Calment, hält den Altersrekord. (Bild: wikipedia.org/Creative Commons)

Sie soll 1997 im Alter von 122 Jahren gestorben sein. (Bild: wikipedia.org/Creative Commons)

Sie soll 1997 im Alter von 122 Jahren gestorben sein. (Bild: wikipedia.org/Creative Commons)

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Jeanne Calment war lange Zeit eine Berühmtheit, weil die Jahre spurlos an ihr vorübergehen zu schienen. Gott müsse sie vergessen haben, witzelte die alte Dame gerne, deren vom Guinness-Buch dokumentierter Langlebigkeitsrekord bis heute ungebrochen ist. Und nun das: Zwei russische Wissenschaftler vermuten, dass nicht Jeanne Calment 1997 im Alter von 122 Jahren und 164 Tagen gestorben ist. Stattdessen soll ihre einzige Tochter Yvonne bereits 1934 die Identität ihrer Mutter angenommen haben, als diese an einer Rippenfellentzündung gestorben sei. Dies, um die Erbschaftssteuer umgehen zu können. 

Jeanne Calments Geschichte konnte den russischen Mathematiker Nikolai Sak konnte nie überzeugen. Gemeinsam mit dem Gerontologen Waleri Nowoselow durchforschte er über Monate hinweg Biographien von Jeanne Calment, Interviews und Fotos, Zeitzeugenberichte sowie die öffentlich zugänglichen Behördendaten ihrer südfranzösischen Heimatstadt Arles. Dabei kam er zu dem Schluss, dass es sich bei der 1997 Verstorbenen unmöglich um Jeanne handeln könne.

Fotos vernichtet

Seine Untersuchungen veröffentlichte Sak nun auf ResearchGate unter dem Titel: «Jeanne Calment: The Secret of Longevity» (Jeanne Calment: Das Geheimnis der Langlebigkeit). Unter den 17 Indizien für seine These listet der Forscher eine Kopie von Jeanne Calments Personalausweis aus den 30er Jahren auf, dessen Angaben etwa über Augenfarbe und Körpergrösse nicht mit dem Aussehen der späteren Jeanne übereinstimmen. Als sie berühmt wurde, liess sie demnach einige ihrer alten Fotos vernichten. 

Als Arzt habe er schon immer seine Zweifel an Calments Alter gehabt, sagt Nowoselow: «Der Zustand ihrer Muskeln stimmte nicht mit dem von gleichaltrigen Senioren überein», berichtet er. «Sie konnte ohne Hilfe aufrecht sitzen und zeigte keinerlei Anzeichen von Demenz».

Gerontologen reagieren unterschiedlich

Der Bericht der beiden russischen Wissenschaftler stösst bei Kollegen auf unterschiedliche Reaktionen. Der französische Gerontologe Jean-Marie Robine, der an den Überprüfungen für das Guinness-Buch der Rekorde beteiligt war, sagt, er habe niemals an der Authentizität von Calments Dokumenten gezweifelt. Im Gespräch mit AFP wirft er den beiden russischen Wissenschaftlern vor, diejenigen Fakten nicht berücksichtigt zu haben, die für das lange Leben Calments sprächen.

Der frühere Bürgermeister von Arles, Michel Vauzelle, hält Saks Theorie für «komplett unmöglich und lächerlich». Jeanne Calment sei über Jahre hinweg von zahlreichen Ärzten betreut und überwacht worden, führt er an.

Dagegen begrüsst der Leiter des französischen Instituts für demographische Studien (INED), Nicolas Brouard, Saks Forschungen. Diese seien sei ein weiteres Argument, die sterblichen Überreste von Jeanne und Yvonne Calment zu exhumieren und ihre DNA zu untersuchen, sagt er. Bereits kurz nach Calments Tod hatten Wissenschaftler bedauert, dass keine Autopsie vorgenommen wurde, um nach den Ursachen für ihre Langlebigkeit zu forschen.

Wichtig für Altersforschung

Auf die Idee, den Fall von Jeanne Calment näher zu untersuchen, kam Sak bei der Suche nach einem mathematischen Modell für die Lebensspanne der deutlich über Hundertjährigen. «Je mehr ich forschte, desto mehr stiess ich auf Widersprüche», sagt er. Auf die Möglichkeit, dass die Tochter die Identität ihrer Mutter angenommen haben könnte, stiess er dann in einem französischen Buch mit dem Titel «Versicherungen und ihre Geheimnisse» aus dem Jahr 1997. 

Gerontologe Nowoselow hält es für wichtig, dass das Rätsel um Calments Alter gelöst wird. «Für uns Altersforscher ist Jeanne Calment ein Symbol. Ihr Name taucht in allen Studien auf», sagt er. Umso wichtiger sei es für die Forschung, «die wahren Grenzen» des Alterns aufzuzeigen. Sollte Calments Rekord gelöscht werden, wäre die US-Bürgerin Sarah Knauss die neue Rekordhalterin. Sie starb 1999 im Alter von 119 Jahren.

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