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Das geschah am Frauenstreik 2019

Der dezentral organisierte zweite Frauenstreik in der Schweiz vermochte landesweit stark zu mobilisieren. Erste Schätzung gehen von Hundertausenden von Frauen aus.

14.06.2019 / 17:05 / von: mle/mma/sda
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Die Streikenden ziehen durch Winterthur. (Bild: RADIO TOP/Manuela Burgermeister)

Die Streikenden ziehen durch Winterthur. (Bild: RADIO TOP/Manuela Burgermeister)

Auch in St.Gallen hat der Umzug begonnen. (Bild: RADIO TOP/Marija Lepir)

Auch in St.Gallen hat der Umzug begonnen. (Bild: RADIO TOP/Marija Lepir)

Um halb Vier erklingte ein lautes «Jetzt» auf dem Bundesplatz in Bern. (Bild: Screenshott/Keystone)

Um halb Vier erklingte ein lautes «Jetzt» auf dem Bundesplatz in Bern. (Bild: Screenshott/Keystone)

Streikerinnen blockieren das Central. (Bild: Twitter/Nicola Spaldin)

Streikerinnen blockieren das Central. (Bild: Twitter/Nicola Spaldin)

Sarah Akanji hielt die Eröffnungsrede des Frauenstreiks in Winterthur. (Bild: TOP REPORTER)

Sarah Akanji hielt die Eröffnungsrede des Frauenstreiks in Winterthur. (Bild: TOP REPORTER)

Auf dem Kirchplatz in Winterthur versammeln sich die Streikenden. (Bild: RADIO TOP/Elena Oberholzer)

Auf dem Kirchplatz in Winterthur versammeln sich die Streikenden. (Bild: RADIO TOP/Elena Oberholzer)

Nationalratspräsidentin Marina Carobbio (SP/TI) hat sie Sitzung am Freitag um 11 Uhr für eine Viertelstunde unterbrochen, damit die Ratsmitglieder aus Solidarität mit den Frauen an einer der verschiedenen Aktivitäten teilnehmen können. (Screenshot: Parlament.ch)

Nationalratspräsidentin Marina Carobbio (SP/TI) hat sie Sitzung am Freitag um 11 Uhr für eine Viertelstunde unterbrochen, damit die Ratsmitglieder aus Solidarität mit den Frauen an einer der verschiedenen Aktivitäten teilnehmen können. (Screenshot: Parlament.ch)

Am heutigen Freitag findet in der Schweiz der Frauenstreik statt. (Screenshot: SDA-Video)

Am heutigen Freitag findet in der Schweiz der Frauenstreik statt. (Screenshot: SDA-Video)

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RADIO TOP ist live am Zürcher Umzug dabei:

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Hunderttausende protestieren

Der dezentral organisierte zweite Frauenstreik in der Schweiz vermochte landesweit stark zu mobilisieren. Erste Schätzung gehen von Hundertausenden von Frauen aus, die gleiche lange Spiesse im gesellschaftlichen, beruflichen und privaten Leben einforderten. Bereits vor Beginn der Gross-Kundgebungen in den verschiedenen Landesteilen sei klar, dass sich am Frauenstreik 2019 Hunderttausende Frauen beteiligt haben, schrieb der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) am Freitagabend in einer ersten Einschätzung. Allein bei den Aktionen bis zum Mittag hätten schweizweit gegen 100'000 Personen an den Aktionen auf der Strasse und in den Betrieben teilgenommen.

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Tausende Menschen demonstrieren

Nachdem der Frauenstreik in Zürich den ganzen Tag über in verschiedenen Stadtkreisen stattfand, wurde die grosse Zahl der Teilnehmerinnen bei der Schlussdemo offensichtlich: Mehrere zehntausend Frauen - und auch einige Männer - zogen durch die Innenstadt. Das Gebiet rund um den Hauptbahnhof war für den Verkehr nicht mehr passierbar. Aus allen Richtungen und Quartieren strömten die Demonstrantinnen an den Limmatquai. Der Demonstrationszug führte vom Central bis zum Helvetiaplatz.

Auch in Bern sorgt der Frauenstreik für einen Grossaufmarsch: bereits am Nachmittag platzte der Bundesplatz aus allen Nähten. Von überall her stiessen weitere Gruppen von Demonstranten zu den Frauen vor dem Bundeshaus. Bereits am Mittag war der Platz vor dem Bundeshaus gut gefüllt. Am Nachmittag quoll die Menge auf die den Platz umgebende Strasse. Der Bundesplatz fasst laut offiziellen Angaben 10'000 Personen. Diese Grenze dürfte bis am Abend weit überschritten sein. Mehrere Hundert Frauen haben in Aarau am Freitagnachmittag einen Sitzstreik auf dem Schlossplatz abgehalten. Gleichzeitig läuteten die Kirchenglocken. Es gab auch einen Umzug durch die Stadt, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen.

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Gleichstellung für Bundesrat prioritär

Die Umsetzung der Gleichstellung von Frau und Mann in allen Lebensbereichen ist für den Bundesrat eine politische Priorität. Das schrieb er in seiner Stellungnahme zu einer dringlichen Anfrage aus dem Parlament. Er verweist dabei auf bereits getroffene oder geplante Massnahmen. Neue Massnahmen kündigt er indes nicht an.

Auskunft verlangt hat die Grüne Fraktion. Sie wollte vom Bundesrat wissen, wie er sich zu 15 Forderungen des Frauenstreiks stelle.

Am Frauenstreik vom Freitag nahmen in Zürich auch Politikerinnen teil: Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) und Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) legten auf dem Münsterhof eine Streikpause ein.

Mit dabei war auch Corine Mauchs Mutter, Alt-Nationalrätin Ursula Mauch, die für die Aargauer SP im Parlament sass. Sie war die erste Frau, die eine Fraktion im Bundeshaus leitete.

Der Platz beim Denner an der Zürcher Langstrasse soll nach einer Politikerin benannt werden. Dies fordern die Frauen der Stadtzürcher Grünen. Im Gemeinderat wollen sie sich dafür einsetzen, dass der Platz «Emilie-Lieberherr-Platz» getauft wird.

Etwas Abseits des bereits seit dem Mittag prall gefüllten Bundesplatzes in Bern haben Seniorinnen auf der kleinen Schanze ihren Anliegen zum Frauenstreik Ausdruck verliehen - mit einer Staubsaueraktion. Dann legten die Rentnerinnen ihre Arbeitsgeräte nieder und verlasen Statements. Alterspolitik sei eine öffentliche Aufgabe, für die es mehr Mittel brauche, betonten die Frauen.

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Mehrere zehntausend Streikende ziehen friedlich durch Zürich:

 

Der Umzug hat sich in Bewegung gesetzt. Mehrere zehntausend Teilnehmende, vorwiegend Frauen, laufen an der bewilligten #Frauenstreik19 Demonstration mit. Wir wünschen einen friedlichen Umzug. ^sa pic.twitter.com/GgSr3vfxc5

— Stadtpolizei Zürich (@StadtpolizeiZH) 14. Juni 2019

 

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15:24 Uhr, ab jetzt arbeiten Frauen «gratis»

Um 15:24 Uhr erklang ein lautes «Jetzt» auf dem Berner Bundesplatz. Gemäss Berechnungen der Initiantinnen des Frauenstreiks arbeiten Frauen ab diesem Zeitpunkt «gratis». Die Aktion soll auf den nach wie vor bestehenden Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern aufmerksam machen.

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Auch in Zürich wurde die Aktion unterstützt. Punkt 15:24 verliessen viele Mitarbeiterinnen des Universitätsspitals Zürich am Freitagnachmittag ihren Arbeitsplatz. Die Aktion wurde von der Gewerkschaft VPOD unterstützt.

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Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch streikt mit

Am Frauenstreik vom Freitag nahmen in Zürich auch Politikerinnen teil: Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) und Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) legten auf dem Münsterhof eine Streikpause ein.

Mit dabei war auch Corine Mauchs Mutter, Alt-Nationalrätin Ursula Mauch, die für die Aargauer SP im Parlament sass. Sie war die erste Frau, die eine Fraktion im Bundeshaus leitete.

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Die Stadtpolizei Zürich zeigt sich zufrieden mit dem friedlichen Umzug:

 

Der Umzug ist am #Helvetiaplatz angekommen. Die Stimmung ist friedlich am #Frauenstreik19. Das finden wir sehr schön so! Ein ❤️ für euch alle! ^je pic.twitter.com/B4vG8xe3Gp

— Stadtpolizei Zürich (@StadtpolizeiZH) 14. Juni 2019

 

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So streiken die Frauen heute in Zürich: 

(Alle Bilder: RADIO TOP)

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«Wenn Frau will, steht alles still»: In Zürich blockierten die Streikenden das Central

Nichts ging mehr rund um den Zürcher Hauptbahnhof: Mehrere hundert Demonstrantinnen des Frauenstreiks hatten sich am Freitagmittag auf die Tramgeleise gesetzt und den Verkehrsknotenpunkt mit Bändern abgesperrt. Der Trambetrieb war vorübergehend eingestellt.

Einige Demonstrantinnen waren allerdings nicht ganz friedlich gestimmt und griffen Fotografen an. Die Stadtpolizei teilte zudem mit, dass die Blockade die Rettungsfahrzeuge behindere. Sie bat die Demonstrantinnen dringend darum, die Fahrzeuge durchzulassen.

 

 

Heute findet der #Frauenstreik19 statt. Teilnehmerinnen haben das Central blockiert - der gesamte Verkehr steht still. Das #Central muss grossräumig umfahren werden. ^sa

— Stadtpolizei Zürich (@StadtpolizeiZH) 14. Juni 2019

Die Blockierung des #Central durch #Frauenstreik19 behindert ebenfalls Rettungsfahrzeuge von #SchutzRettungZH. Wir bitten dringend die Einsatzfahrzeuge ungehindert passieren zu lassen. ^sa

— Stadtpolizei Zürich (@StadtpolizeiZH) 14. Juni 2019

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McDonalds-Mitarbeiterinnen aus den USA streiken in Zürich

Solidarität aus den USA: Mitarbeiterinnen von McDonalds, die sich derzeit in den USA wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz im Streik befinden, sind am Freitag nach Zürich gereist. Sie schliessen sich ihren Schweizer Kolleginnen am Frauenstreiktag an.

Eine Delegation aus den USA hat sich am Freitag mit der Gewerkschaft Unia getroffen, wie es in einer Mitteilung der Kampagne «Fight for 15 $» heisst. Dabei seien untereinander Berichte ausgetauscht worden, welche unter anderem sexuelle Ausbeutung oder lüsterne Anmerkungen dokumentierten.

Hintergrund des Streiks in den USA sind mehrere Fälle von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz beim Grosskonzern McDonalds. Tanya Harrell, McDonalds-Mitarbeiterin in Louisiana, führt die Kampagne an. Sie und mehrere Kolleginnen reichten Klagen ein. Auch Harrell war am Freitag in Zürich.

Sexuelle Belästigung

«Wir freuen uns, unsere amerikanischen Kolleginnen und Kollegen im Streik hier in Zürich aufzunehmen», wird Lorenz Keller, Co-Geschäftsleiter der Unia Zürich in der Mitteilung zitiert. «Damit setzen wir ein Zeichen der Solidarität in ihrem Kampf um Gerechtigkeit und Gewerkschaftsrechte in den Vereinigten Staaten.»

Ausserdem will die Gewerkschaft damit Konzerne wie McDonalds daran erinnern und dazu aufrufen, dass sie ihre Mitarbeiterinnen mit Respekt behandeln - egal in welchem Land sie tätig sind.

Keller weist darauf hin, dass McDonalds-Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter in der Schweiz - auch wenn die Arbeitsbedingungen nicht perfekt seien - zumindest von einem Tarifvertrag profitierten. «Jedoch gibt es auch hier, wie in vielen anderen Teilen des Dienstleistungssektors, Vorfälle sexueller Belästigung und anderer Misshandlungen, die oftmals nicht behandelt werden.»

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Die Zürcher SP-Kantonsrätin Sarah Akanji hat mit ihrer Rede den Frauenstreik in Winterthur eröffnet. Im Interview mit RADIO TOP spricht sie über ihre Rede und was sie vom heutigen Tag erwartet:

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Der Frauenstreik ist in vollem Gang. Der Grüne Nationalrat Balthasar Glättli hat live vom Bundesplatz in Bern gestreamt:

Live vom #Bundesplatz der #Frauenstreik #Frauenstreik2019 #Frauenstreik19 #14Juni2019

https://t.co/ZhiJLDopuQ

— Balthasar Glättli (@bglaettli) 14. Juni 2019

 

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In den Sozialen Medien machen sich Politikerinnen und Politiker stark: 

So zum Beispiel Bundesrätin Simonetta Sommaruga auf Twitter:

Heute gibt es für Frauen den Fünfer und das Weggli. #Frauenstreik #Frauenstreik19 #Gleichstellung #Sommaruga pic.twitter.com/idIvE9BWGI

— Simonetta Sommaruga (@s_sommaruga) 14. Juni 2019


Auch die Grüne Partei Schweiz zeigt auf Twitter Solidarität:

Frauenstreik! ✊???? Auf einen kämpferischen, solidarischen und engagierten Tag!#Frauenstreik #Frauenstreik19 pic.twitter.com/05HhZL079O

— GRÜNE Schweiz ???? (@GrueneCH) 14. Juni 2019


Wer Solidarität zeigen will, trägt heute Violett. So auch die SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf:

Bereit für den #Frauenstreik19! pic.twitter.com/Rbb8TjC2sH

— Priska Seiler Graf (@seilergraf) 14. Juni 2019


Auch Männer setzen sich für Frauenrechte ein. So auch Bundesrat Alain Berset:

Ohne Worte. #14Juni2019 pic.twitter.com/Y3tZymMPHG

— Alain Berset (@alain_berset) 13. Juni 2019

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Nationalratspräsidentin unterbricht Sitzung für Frauenstreik

Auch im Nationalrat streiken die Frauen. Nationalratspräsidentin Marina Carobbio (SP/TI) hat sie Sitzung am Freitag um 11 Uhr für eine Viertelstunde unterbrochen, damit die Ratsmitglieder aus Solidarität mit den Frauen an einer der verschiedenen Aktivitäten teilnehmen können.

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Der Ratssaal leerte sich in der Folge rasch. Um 11 Uhr soll gemäss dem Streik-Aufruf in der Schweiz alles stillstehen, weil die Frauen ihren Arbeitsplatz verlassen und sich «mit viel Lärm» sichtbar machen werden.

Im Nationalrat waren nicht alle mit dem Sitzungsunterbruch einverstanden. SVP-Nationalrat Andreas Glarner versuchte vergangene Woche, die Pause mit einem Ordnungsantrag zu verhindern. Über seine Fraktion hinaus fand er aber keine Unterstützung.

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Eine Klitoris geht in Zürich auf Wanderung

Zu einer ungewöhnlichen Wanderung sind Aktivistinnen am frühen Freitagmorgen beim Zürcher Bahnhof Hardbrücke aufgebrochen: Sie ziehen auf einem Leiterwagen ein riesiges Modell einer Klitoris durch die Stadt.

videoklitoris

Mit dieser Prozession des weiblichen Lustorgans fordern die Frauen Aufklärung ohne Sexismus. Etwas weniger provokativ war eine Gruppe von Lehrerinnen unterwegs, welche die Arbeit niederlegte und durch das Quartier Hottingen spazierte.

Stadtpräsidentin im Liegestuhl

In Zürich sind über den ganzen Tag zahlreiche dezentrale Aktionen geplant, darunter eine Streikpause der Buchhändlerinnen. Auch das Putzpersonal in Hotels will die Arbeit niederlegen.

Teilnehmen am Frauenstreik wird auch die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP). Sie hält zusammen mit ihrer Stadtratskollegin Karin Rykart (Grüne) eine Streikpause auf dem Münsterhof ab - im Liegestuhl. Um 17 Uhr beginnt dann der grosse Demonstrationszug beim Central.

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Frauen marschieren Richtung Bundesplatz

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Ein erster Demozug der Berner Kulturinstitutionen und Nähen des «Weltentuchs» auf dem Bundesplatz. In Bern ist der Frauenstreik in vollem Gang. Das Weltentuch soll über 64 Quadratmeter gross werden. Es wird an der Demonstration am Freitagabend ausgebreitet.

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St.Galler Feministinnen auf den Spuren ihrer Vorkämpferinnen

Frauen aus der ganzen Ostschweiz treffen sich am Freitag zum Frauenstreik in St.Gallen. An einem feministischen Stadtrundgang können sie sich über ihre Vorkämpferinnen auf die anschliessende Kundgebung einstimmen. Hier gibt es die Hintergründe zum Streik.

Der Tag beginnt um 10 Uhr mit einem Sternmarsch. Nach Aktionen in den Regionen treffen sich die Frauen aus den Kantonen St.Gallen, Thurgau und aus dem Appenzellerland auf dem Streikplatz in der Marktgasse in St.Gallen.

Feministischer Stadtrundgang

Vor der Demonstration am Nachmittag haben Interessierte die Möglichkeit, an einem feministischen Stadtrundgang mehr über ihre teilweise kaum bekannten Vorkämpferinnen zu erfahren. Der rund einstündige Rundgang beginnt um 12:15 Uhr und um 14 Uhr beim Vadian-Denkmal.

«Ziel des Stadtrundgangs durch die Altstadt ist es, Frauen kennenzulernen, welche sich unter schwierigen Bedingungen im letzten oder vorletzten Jahrhundert für Frauenanliegen eingesetzt haben», sagt Jolanda Schärli, Historikerin und Mitarbeiterin beim Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Geschäftsfrau unter Vormundschaft

Zu erfahren ist beispielsweise, unter welch schwierigen Bedingungen Carola Zollikofer-Bayer 1856 das Spielwarengeschäft Zolli Bolli gründete. Wie alle verheirateten Frauen stand die erfolgreiche Geschäftsfrau unter der sogenannten Geschlechtervormundschaft. Weil ihr Mann in einer Psychiatrischen Anstalt war und seine Rolle als Rechtsvertreter nicht wahrnehmen konnte, durfte Carola Zollikofer nur mit dem Einverständnis eines amtlichen Vormunds Geschäfte machen.

Der Rundgang führt nicht nur zu Häusern historischer Frauenfiguren, sondern auch an Orte, wo es Pionierangebote für Frauen gab, zum Beispiel an die Löwengasse 1. In einer Wohnung wurde dort 1977 die Infra-Stelle eröffnet, welche neben Rechtsberatungen auch Kurse über die weibliche Sexualität oder Beratungen zu Tabuthemen wie Abtreibung anbot.

Unerklärbarer Lohnunterschied

Herzstück des St.Galler Frauenstreiks ist die Demonstration, die um 15:24 Uhr beim Vadian-Denkmal startet. Grund für den ungewöhnlichen Zeitpunkt ist die Ungleichbehandlung beim Lohn. Bei einem Arbeitstag bis 17 Uhr könnten die Frauen aufgrund des Lohnunterschieds um 15:24 Uhr die Arbeit niederlegen, sagten Vertreterinnen des Komitees Frauenstreik vor einem Monat vor den Medien.

Am Abend steht Feiern auf dem Frauenstreik-Programm. Ab 19 Uhr gibt es im ExRex (nur für Frauen) und ab 20 Uhr in der Grabenhalle Barbetrieb, Disco und Konzerte.

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Auftakt in frühen Morgenstunden in Lausanne 

In der Nacht auf Freitag gab es bereits erste Aktionen. So teilte die Unia in einer Medieninformation mit, als Auftakt das höchste Haus der Schweiz, den Roche-Turm in Basel, mit dem Logo des Streiktages angestrahlt zu haben.

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In Lausanne trafen sich in den frühen Morgenstunden zum Auftakt rund 500 Frauen, die auf die Anliegen des weiblichen Geschlechts mit Transparenten aufmerksam machten. Und auch Zeitungen zogen mit besonderen Aktionen mit. So erschien etwa der «Bote der Urschweiz» am heutigen Freitag als «Botín der Urschweiz».

Bundesrätin Simonetta Sommaruga bedauerte zudem in einem Interview mit der «Schweizer Illustrierten» vom Freitag, dass in der Schweizer Arbeitswelt etwa das Thema Vaterschaft überhaupt nicht stattfände. Gleichzeitig schwärmte die Politikerin von Schweden, wo es eine Elternzeit von 16 Monaten gibt. Streiken wolle Sommaruga am heutigen Frauenstreiktag aber nicht, denn sonst würden die Männer an der heutigen Bundesratssitzung über die Frauen bestimmen, betonte sie.

Um 11 Uhr soll kurz nichts mehr gehen

Die landesweite Arbeitsniederlegungen sind für Freitagmorgen um 11 Uhr geplant. Auch der Nationalrat will dann seine Session für diese Streikpause von einer Viertelstunde unterbrechen, um seine Solidarität zu bekunden. 11 Uhr ist exakt die Zeit, während welcher gemäss dem Aufruf von VPOD und Unia in der Schweiz alles stillstehen soll, weil die Frauen ihren Arbeitsplatz verlassen und sich «mit viel Lärm» sicht- und hörbar machen.

Um genau 15.24 Uhr soll dann die letzte Frau, die nicht ohnehin schon streikte, ihren Arbeitsplatz verlassen haben. Gemäss Statistik arbeitet sie ab diesem Zeitpunkt gratis, weil sie laut den Gewerkschaften bis zu 20 Prozent weniger verdiene als ihre männlichen Kollegen.

Höhepunkte am späten Nachmittag

Die Höhepunkte des Tages mit Grosskundgebungen sollen am späten Nachmittag stattfinden. In Zürich startet laut den Organisatoren der Demozug durch die Stadt um 17 Uhr. Das Zentrum der Proteste in Bern ist der Bundesplatz. Dort geht das Programm um 15 Uhr los. Überall in der Schweiz wird es laut SGB auch Streiks, Arbeitsniederlegungen und verlängerte Pausen in Betrieben und Institutionen geben.

Riesig ist der Strauss der Forderungen an diesem nationalen Kampftag für gleiche Rechte. Die Schwerpunkte sind gleicher Lohn für gleiche Arbeit, mehr Teilzeitarbeitsmodelle für Frauen und Männer zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie keinerlei Toleranz für sexuelle Gewalt.

Beitrag erfassen

Carmen
am 14.06.2019 um 11:40
Meine lieben Frauen,Wenn ihr Gleichberechtigung wollt, dann wollt ihr sicher auch Militärdienst leisten? Oder?