Pull down to refresh...
zurück

Die grössten Verlierer sind die Kleinen

Anfangs Juli entscheidet die Synode der Reformierten Kirche des Kantons Zürich über den neuen Finanzausgleich. Tritt dieser in Kraft, könnten in der Region Winterthur einige kleinere Kirchgemeinden nicht mehr alleine existieren.

12.06.2019 / 08:35 / von: mma
Seite drucken Kommentare
0
Für kleinere reformierte Kirchgemeinden ist der neue Finanzausgleich unvorteilhaft. (Symbolbild: Wikimedia/Andreas Praefcke under creative commons)

Für kleinere reformierte Kirchgemeinden ist der neue Finanzausgleich unvorteilhaft. (Symbolbild: Wikimedia/Andreas Praefcke under creative commons)

0
Schreiben Sie einen Kommentar

Am 2. Juli entscheidet die Synode der Reformierten Kirche des Kantons Zürich über den neuen Finanzausgleich – und über die Zukunft vieler kleiner Kirchgemeinden. Bisher konnten die Kirchgemeinden einen Antrag auf Finanzausgleich stellen. Voraussetzung dafür war ein minimaler Mindest-Steuerfuss von 14 Prozent. Ein Gremium hat die Leistungen nach dem sogenannten Defizitdeckungsverfahren bemessen, sprich es wurde die Differenz zwischen Steuererträgen und dem für den Betrieb nötigen Aufwand berechnet.

Dieser Finanzausgleich soll neu automatisiert werden, schreibt der «Landbote». Ein Programm errechnet gemäss festgelegten Formeln den Betrag, der den Kirchgemeinden mit einem Steuerfuss von 14 Prozent oder mehr zusteht. Es fliesst allerdings immer noch gleich viel Geld, 4.2 Millionen Franken, von den reicheren Kirchgemeinden in den Finanztopf. Die Steuerkraft ist massgebend für den Ausgleich. Neben diesem Steuerkraftzuschuss erhalten Kirchgemeinden zudem einen sogenannten Ausstattungszuschuss, wenn die Mittel pro Mitglied einen gewissen Wert unterschreiten. Dieses Modell soll ab 2020 gelten und stufenweise bis 2026 eingeführt werden, um die Umstellung abzufedern.

Das Modell ist nicht unumstritten. Einige Gemeinden würden viel weniger Geld erhalten als bisher und andere würden überkompensiert. Dies führt dazu, dass einige Gemeinden, die momentan ohne Probleme bestehen können, weniger Geld erhalten als sie effektiv bräuchten.

Nach einer Modellrechnung der Reformierten Landeskirche, die auf Zahlen von 2017 basiert, würde so in der Region Winterthur die Gemeinde Wildberg zu den grossen Verlierern gehören, heisst es im «Landboten». Wildberg erhielt zwischen 2015 und 2017 167‘000 Franken jährlich. Ab 2026, nach der definitiven Einführung, wären es nur noch 9‘300 Franken erhalten. Auch Kyburg würde zu den Verlierern zählen. Von ursprünglich 88‘000 Franken blieben am Schluss noch 3‘100 Franken. Ähnlich sieht es auch in Marthalen, im Flaachtal oder Turbenthal aus.

Doch es gibt auch Gewinner. Ossingen würde zum Beispiel neu etwas mehr als 130‘000 Franken erhalten anstatt die bisherigen 20‘000 Franken. Ossingen hat rund 800 Gemeindemitglieder, Kyburg rund 200. Einige Gemeinden, zum Beispiel Flacchtal, bekämen ab 2027 sogar noch weniger Geld, weil dann der Zusammenschlussbetrag wegfällt. Diesen Zuschuss erhalten Gemeinden, die seit 2010 fusioniert haben oder es bis 2026 noch werden.

Manuela Hugi, Präsidentin der Kirchgemeinde Wildberg, fürchtet sich um die Zukunft ihrer Gemeinde und sagt gegenüber dem «Landboten»: «Der neue Finanzausgleich wird kleine Gemeinden sterben lassen.» Denn diese könnten nicht mehr eigenständig existieren. Denn jede Kirchgemeinde habe Auslagen wie etwa Gottesdienste, Religionsunterricht und Gebäudeunterhalt. In Wildberg wie auch in Kyburg stehen die gemeindeeigenen Gebäude unter Denkmalschutz, was den Unterhalt nicht günstiger macht.

Aus Kyburg kommt ein Gegenvorschlag. Man solle zuerst den Grundbedarf einer Gemeinde errechnen. Also wie viel braucht es, dass eine Gemeinde ihre kirchliche Aufgabe wahrnehmen kann. Erst dann kann man sehen, wie viel Steuereinnahmen noch fehlen.

Dieser Vorschlag stösst bei den Gemeinden auf offene Ohren. Der Kirchenrat, die Exekutive der Landeskirche, will aber vor der Abstimmung am 2. Juli an seinem Antrag nichts mehr ändern. Das neue Modell sei sorgfältig erarbeitet worden, sagt Finanzvorsteherin und FDP-Kantonsrätin Katharina Kull im «Landboten». Es sei transparent, nachvollziehbar und einfach in der Handhabung. Zudem sei während der Vernehmlassung keine Anregung für einen anderen Ansatz eingebracht worden.

Beitrag erfassen

Keine Kommentare