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«Geisterspiele sind das kleinere Übel»

Am 19. Juni rollt im Schweizer Fussball der Ball wieder. Die Freude bei den Clubs ist gross. Ihre finanzielle Lage bleibt aber schwierig. Und der Zeitplan ist dicht – den Spielern drohen vermehrt Verletzungen.

29.05.2020 / 18:12 / von: sfa
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Matthias Hüppi, Präsident des FC St.Gallen, ist zufrieden mit der Wiederaufnahme der Meisterschaft. (Bild: KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Matthias Hüppi, Präsident des FC St.Gallen, ist zufrieden mit der Wiederaufnahme der Meisterschaft. (Bild: KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Andreas Mösli, Geschäftsführer des FC Winterthur verrät RADIO TOP, dass es auf der Schützenwiese keine Zuschauer geben wird. (Screenshot: TELE TOP)

Andreas Mösli, Geschäftsführer des FC Winterthur verrät RADIO TOP, dass es auf der Schützenwiese keine Zuschauer geben wird. (Screenshot: TELE TOP)

FCZ-Präsident Ancillo Canepa steht den Medien in Bern Rede und Antwort. (Bild: KEYSTONE/Alessandro della Valle)

FCZ-Präsident Ancillo Canepa steht den Medien in Bern Rede und Antwort. (Bild: KEYSTONE/Alessandro della Valle)

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Die Fussballmeisterschaft wird am 19. Juni nach mehr als dreimonatiger corona-bedingter Zwangspause wieder aufgenommen. Die Clubs haben diesem Vorgehen mit grosser Mehrheit zugestimmt – entsprechend gross ist auch die Freude auf die Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Allerdings wird vor leeren Rängen gespielt. Die Freude ist daher getrübt, etwa bei Andreas Mösli, Geschäftsführer des FC Winterthur: «Geisterspiele sind nicht läss. Aber sie sind das kleinere Übel: Besser, als die Meisterschaft abzubrechen.»

FC Winterthur, FC Zürich und FC St.Gallen äussern sich im RADIO TOP Beitrag zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs:

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Solidarität statt teure Exklusiv-Tickets

Gemäss den geltenden Bestimmungen des Bundes könnten die Clubs maximal 300 Personen ins Stadion lassen. Dazu zählen allerdings nicht nur Fans, sondern auch Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Sicherheits- und Sanitätspersonal. Es blieben noch 100 bis 150 Plätze, die ans Publikum vergeben werden könnten.

Für den FC Winterthur kommt es allerdings nicht in Frage, diese wenigen Plätze exklusiv und für teures Geld zu verkaufen, stellt Andreas Mösli klar: «Wir haben 2'500 Saisonkartenbesitzer, hunderte von Sponsoren… Die Frage wäre, wen man reinlässt und wen nicht. Die Auswahl könnte schnell böses Blut verursachen. Und dann müsste man natürlich auch die Corona-Sicherheitsmassnahmen einhalten – der Aufwand würde damit noch grösser.»

Ancillo Canepa, Präsident des FC Zürich, äussert sich ähnlich: «Das kommt überhaupt nicht in Frage. Man kann das gar nicht umsetzen. Wir müssten eine Selektion vornehmen. Das ist für mich ein No-Go. Entweder alle gehen rein, oder keiner.»

Wenn die Tribünen leer bleiben, herrscht aber auch in den Clubkassen weiterhin gähnende Leere. Der Meisteranwärter FC St.Gallen setzt in dieser Zeit insbesondere auf die Solidarität seiner Fans. Und diese sei bisher überwältigend, sagt FCSG-Präsident Matthias Hüppi: «Wir haben Stand heute rund 6'000 Saisonkarten für nächste Saison verkauft – ohne, dass die Leute wissen, wann sie wieder ins Stadion können. Das ist phänomenal! Und diese 6'000 Leute verzichten zusätzlich auf jegliche Rückerstattung für die laufende Saison. Damit hätten wir niemals gerechnet, das berührt mich extrem. Es gibt uns eine gewisse Sicherheit, dass wir die Geisterspiele wirtschaftlich überstehen – wenn auch mit einem blauen Auge.»

Spielern droht erhöhte Verletzungsgefahr

Kein blaues Auge, aber umso mehr blaue Flecken drohen auch den Spielern: Die Verletzungsgefahr ist aufgrund des gedrängten Spielplans nämlich hoch. Die Meisterschaft wird zwischen dem 19. Juni und dem 2. August zu Ende gespielt. Danach stehen noch die ausstehenden Cup-Partien an. Und Mitte September startet bereits die neue Saison.

Andreas Mösli appelliert an die Spieler, um die Verletzungsausfälle tief zu halten: «Es ist wichtig, dass jeder Spieler auch neben dem Platz seriös lebt, damit wir jedes Prozent herausholen können. Wir müssen auch das Trainingsprogramm anpassen. Ich finde es trotzdem besser zu spielen, als aus solchen Überlegungen gar nicht zu spielen – denn wir haben keine Alternative.»

Um die Verletzungsgefahr zu minimieren, dürfen die Clubs bis Ende der Saison ausserdem pro Spiel fünf Spieler auswechseln, anstatt wie bis anhin nur drei.

Im Interview mit TELE TOP sprechen Adrian Fetscherin, Benjamin Fust und Andreas Mösli über den Entscheid der Swiss Football League:

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