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Immobilienkönig von Winterthur Bruno Stefanini ist gestorben

Der Winterthurer Bruno Stefanini ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Der Immobilienkönig und Kunstsammler ist in seiner Wohnung in der Winterthurer Altstadt verstorben.

14.12.2018 / 08:57 / von: vsu
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Mit 94 Jahren ist Bruno Stefanini gestorben. (Screenshot: TELE TOP)

Mit 94 Jahren ist Bruno Stefanini gestorben. (Screenshot: TELE TOP)

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Der Winterthurer Immobilienkönig und Multimillionär Bruno Stefanini ist tot: Er ist im Alter von 94 Jahren gestorben, wie seine Tochter dem «Landboten» mitgeteilt hat. Seine Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte SKKG bestätigt die Meldung gegenüber RADIO TOP. Stefanini war Besitzer zahlreicher Immobilien in Winterthur und Umgebung und ein leidenschaftlicher Kunstsammler.

In den letzten Jahren sorgte vor allem der Streit um die Stefanini-Stiftung mit seinen Kindern in den Medien für Gesprächsstoff: Dieser fing im Januar 2014 an. Damals übergab der ehemalige Stiftungsrat der eidgenössischen Stiftungsaufsicht eine überarbeitete Stiftungsurkunde, welche genehmigt werden solle. In dieser hiess es, dass das Ernennungsrecht für die Mitglieder des Stiftungsrates nicht mehr den Nachkommen von Stefanini zustehen sollte, wenn er dazu nicht mehr in der Lage sein sollte. Er wollte dieses Recht und die Verantwortung für die Stiftung seinen Vertrauenspersonen übergeben. Zudem wurde gestrichen, dass mindestens ein Familienmitglied des Stifters im Stiftungsrat Einsitz haben muss. Dies sorgte für Streit zwischen Stefanini und seinen Kindern Bettina und Vital. Ein ärztliches Gutachten kam zum Schluss, dass Stefanini aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes nicht mehr Stiftungsratsmitglied sein könne und somit das Ernennungsrecht nicht mehr ausüben könne. Dieses ging somit auf seine Nachkommen über. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte diesen Entscheid im Oktober 2016. Auch ein Jahr später hielt es noch an seinem Entscheid fest. Im April 2018 hat das Bundesgericht die Beschwerde von Stefanini abgewiesen, beziehungsweise ist nicht darauf eingetreten

– seine Kinder behielten das Recht und konnten so den Stiftungsrat für die SKKG ernennen. Tochter Bettina wurde zur Stiftungsratspräsidentin.  Im Juni wurde bekannt, dass die Stiftung im gleichen Rahmen weitergeführt werden soll. Unkar war, wie es mit den Stefanini-Häusern in Winterthur weitergehen sollte

: Diese sind in schlechten Zustand und müssten schon lange saniert werden

– aus diesem Grund wurden die Mieten tief angesetzt. 

Der Mensch hinter den Immobilien

Anfang 2016 veröffentlichte der Historiker Miguel Garcia eine Biographie über Stefanini, der am 5. August 1924 geboren wurde. Ursprünglich in Italien wohnhaft, kam er als 14-Jähriger in die Schweiz. Ab 1930 bis 1957 führte Gisuseppe Stefanini in der Marktgasse das Restaurant Salmen, welches der italienischen Konsumgesellschaft «Società Cooperativa» gehörte. Später übernahm er dessen Präsidium und verwaltete so die konsumeigenen Liegenschaften. Der Sohn besuchte währenddessen das Gymnasium, wo er allerdings nicht sehr beliebt war: Als Secondo und Wirtesohn verliess er kurz vor der Matur die Schule. Das habe sein Verhältnis zu Winterthur getrübt, so Garcia in seiner Biographie. Er bestand später die Aufnahmeprüfung an der ETH Zürich, wo er das Studium in Naturwissenschaften zugunsten der Immobilienkarriere abbrach. Hierbei erhöhte Stefanini das Startkapital von seinem Vater sehr schnell: In der Nachkriegszeit wurde er dank des Baubooms sehr reich. Er gründete mit Hans Jenny, späterer Gründer der Verit Immobilien, einen der ersten Immobilienfonds. Die beiden waren in diesem Bereich Pioniere. In den 1970er Jahren zog sich Stefanini dann aus dem Baugeschäft zurück: Vorher war es einfach, etwas zu bauen, später kamen immer aufwendigere Bewilligungsverfahren dazu, was dazu führte, dass sich Stefanini überarbeitete, da er als Kontrollmensch alles selbst beaufsichtigen wollte, aber irgendwann überarbeitet war. Nach eigenen Aussagen arbeitete er sieben Tage die Woche und war kaum zu Hause.

Die Biographie brachte Stefanini den Leuten näher: Er galt als medienscheu und lebte zurückgezogen, erst mit der Biographie wurden Details aus seinem Leben bekannt. 

Sammeln als zweite Leidenschaft

1961 heiratete er seine Frau Vroni, welche ihn zehn Jahre später mit den Kindern verliess. Dies nachdem sie über ein Jahr lang in einem baufälligen Haus gelebt hatten, welches er zwar versprochen hatte zu sanieren, aber nie gemacht hatte. Stefanini war bekannt als einfacher Mann, der nicht viel Wert auf sein Äusseres legte und somit oft schmuddelig wirkte. Gleiches galt für seine Häuser: Er liess viele Gebäude verfallen, beispielsweise liess die Stadt Winterthur 2009 zwei Liegenschaften an der Steinbergstrasse einrüsten, da diese für die Passanten eine Gefahr darstellten. Er vergrub sich nach der Trennung noch mehr in Arbeit und widmete sich seiner zweiten grossen Leidenschaft, dem Sammeln. Er liebte Kunst und Historie; an Auktionen erwarb er mehrere Gemälde von Schweizer Künstlern wie Segantini und Giacometti. Darin konkurrenzierte er sich mit Christoph Blocher. Seine Sammlung soll rund 100'000 Objekte umfassen, welche er seiner 1980 gegründeten Stiftung SKKG vermachte. Darunter sind auch Napoleons Hut, Kennedys Schreibtisch, Sissis Reitkostüm, diverse Oldtimer und auch kleine Sachen wie antike Kerzenständer. Weiter gehörten ihm auch vier Schlösser – Grandson am Neuenburgersee, Luxburg und Salenstein im Thurgau und Brestenberg im Aargau –, welche alle mal zu Museen werden sollten. Allerdings wurde nur eines realisiert.

Nach Stefaninis Tod gehen alle seine Besitztümer nun in den Besitz seiner Stiftung über.

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