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«Meyer und Wermuth haben gute Chancen auf das SP-Präsidium»

Die Winterthurerin Mattea Meyer und der Aargauer Cédric Wermuth wollen die SP Schweiz erstmals im Co-Präsidium führen. Laut Politikwissenschaftler Nenad Stojanovic sprechen ihr Alter und ihre Bekanntheit für die beiden Kandidaten.

18.12.2019 / 21:32 / von: sfa
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Der Aargauer Cédric Wermuth (33) und die Winterthurerin Mattea Meyer (32) kandidieren gemeinsam fürs SP-Präsidium. (Bild: matteameyer.ch)

Der Aargauer Cédric Wermuth (33) und die Winterthurerin Mattea Meyer (32) kandidieren gemeinsam fürs SP-Präsidium. (Bild: matteameyer.ch)

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Die Winterthurerin Mattea Meyer (32) und der Aargauer Cédric Wermuth (33) haben am Mittwoch bekannt gegeben, dass sie gemeinsam für die SP-Spitze kandidieren. Es wäre das erste Mal überhaupt, dass die SP von zwei Co-Präsidenten geführt wird. Meyer und Wermuth sind die ersten offiziellen Kandidaten für die SP-Spitze. Seit der Rücktrittsankündigung des bisherigen SP-Präsidenten Christian Levrat im November haben viele potenziellen Kandidaten abgesagt, darunter die St.Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi.

Christian Levrat leitet die SP seit zwölf Jahren und ist damit der amtsälteste aller Schweizer Parteipräsidenten. Seine Nachfolge wird an einem Parteitag im April bestimmt.

Nenad Stojanovic ist Politikwissenschaftler an der Universität Genf und selber SP-Mitglied. Im Interview mit RADIO TOP gibt er eine Einschätzung zu den Chancen von Mattea Meyer und Cédric Wermuth für das SP-Präsidium ab.

RADIO TOP: Mattea Meyer und Cédric Wermuth kandidieren gemeinsam für die SP-Spitze. Welche Chancen geben Sie dieser gemeinsamen Kandidatur.

Nenad Stojanovic: Cédric Wermuth und Mattea Meyer haben intakte Chancen – gute Chancen – gewählt zu werden. Ihre Kandidatur ist keine Überraschung. Darüber wurde in den Medien ja bereits seit Wochen spekuliert.

Mattea Meyer und Cédric Wermuth haben also gute Chancen – was spricht für sie?

Es handelt sich um zwei relativ junge Politiker. Beide sind relativ gut bekannt. Cédric Wermuth auch in der Westschweiz und in der italienischen Schweiz – Mattea Meyer vor allem in der Deutschschweiz, und insbesondere im Raum Zürich. Und beide sind seit Längerem im Nationalrat und verfügen damit auch über die Erfahrung, welche Voraussetzung für dieses Amt ist.

Politologe Nenad Stojanovic im Interview zu den Chancen von Meyer und Wermuth:

Audio

 

Mattea Meyer und Cédric Wermuth kennen sich bereits aus JUSO-Zeiten und gehören zum linken Parteiflügel. Könnte das für ihre Kandidatur zum Stolperstein werden?

Meiner Meinung nach müssen sich Parteipräsidenten in der Mitte der Partei positionieren. Das heisst nicht, dass sie ihre ursprünglichen Meinungen verstecken müssen. Aber sie müssen in der Lage sein, alle Flügel der Partei in ein Gleichgewicht zu bringen. Und ich glaube, dass insbesondere Cédric Wermuth im Wahlkampf im Kanton Aargau bewiesen hat, dass er breit mobilisieren kann. Die SP Aargau hat bei den nationalen Wahlen als eine der wenigen Sektionen der SP Schweiz keinen Sitz verloren, sondern sogar einen Sitz gewonnen. Und ich habe es bereits früher gesagt: Der ideale Präsident in dieser Phase der SP wäre Cédric Wermuth – wenn er eine Frau wäre. Christiane Brunner war die letzte SP-Präsidentin (Anm. d. Red.: 2000 – 2004).

Cédric Wermuth kandidiert nun, um der Frauenfrage zuvor zu kommen, gemeinsam als Co-Präsident mit Mattea Meyer. Bringt ein solches Co-Präsidium nicht auch Schwierigkeiten?

Das hängt ganz davon ab, wie sich die beiden Co-Präsidenten organisieren. Natürlich braucht es eine gewisse Aufgabenteilung, ein richtiges Job-Sharing. Wenn klar ist, wer wofür zuständig ist, kann ein Co-Präsidium durchaus funktionieren. Auch die Grünen hatten ja jahrelang ein Co-Präsidium. Idealerweise wäre ein Co-Präsidium natürlich mit jemandem aus der Deutschschweiz und jemandem aus der lateinischen Schweiz besetzt. Man kann aber argumentieren, dass die Partei mit Christian Levrat nun jahrelang von einem Westschweizer geführt wurde.

Die Parteiversammlung wählt den Nachfolger von Christian Levrat im April. Sehen Sie neben der gemeinsamen Kandidatur von Mattea Meyer und Cédric Wermuth noch weitere potenzielle Kandidaten?

Es gab einige potenzielle Kandidaten: Flavia Wasserfallen, Nadine Masshardt, Jon Pult, Marina Carobbio, Barbara Gysi… Aber alle haben abgesagt. Ich wüsste nichts davon, dass es andere mögliche Kandidaten gibt. Die Kombination Meyer/Wermuth ist keine Überraschung. Und es würde mich auch nicht überraschen, wenn es am Ende gar keine anderen Kandidaten gibt – und wenn sich der Parteitag letztlich für Wermuth und Meyer entscheidet.

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