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19 Jahre Haft für mutmasslichen Täter im Auftragsmord von Küsnacht

Das Bezirksgericht Meilen hat am Montag das Urteil im Prozess um einen mutmasslichen Auftragsmord an einer 73-jährigen Ärztin in Küsnacht bekannt gegeben. Der Täter muss 19 Jahre in Haft. Die beschuldigte Auftraggeberin wird freigesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

28.09.2020 / 14:46 / von: sda/asl/pwa/mju
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Das Bezirksgericht Meilen gibt am Montag das Urteil im Prozess um einen mutmasslichen Auftragsmord an einer 73-jährigen Ärztin in Küsnacht bekannt. (Archivbild: KEYSTONE/WALTER BIERI)

Das Bezirksgericht Meilen gibt am Montag das Urteil im Prozess um einen mutmasslichen Auftragsmord an einer 73-jährigen Ärztin in Küsnacht bekannt. (Archivbild: KEYSTONE/WALTER BIERI)

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Das Bezirksgericht Meilen hat das Urteil im Prozess um den mutmasslichen Auftragsmord in Küsnacht gesprochen. Der mutmassliche 37-jährige Täter wird wegen Mordes verurteilt und bekommt eine Freiheitsstrafe von 19 Jahren. Vier Jahre davon hat er bereits abgesessen. Zudem ordnete das Gericht eine ambulante Therapie an.

RADIO TOP war bei de Urteilseröffnung vor Ort:

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Die beschuldigte Auftragsgeberin wird freigesprochen. Ihr wurden Anstiftung zu Mord und Raub vorgeworfen. Der dritte Angeklagte wird ebenfalls freigesprochen von den Vorwürfen des Mordes und Raubes. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hat gegenüber RADIO TOP angekündigt, das Urteil nicht zu akzeptieren und es an die nächste Instanz weiterzuziehen. Insbesondere die beiden Freisprüche sind für Staatsanwalt Matthias Stammbach unverständlich. Der Verteidiger der angeklagten Tochter zeigt sich derweil erleichtert über den Freispruch seiner Mandantin. 

Staatsanwalt und Verteidiger nehmen im Beitrag von TELE TOP Stellung zum Urteil:

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Belastende Punkte

Sowohl in der Untersuchung, als auch in der mehrtägigen Verhandlung vor dem Bezirksgericht im Juni 2020 hatte der Beschuldigte jegliche Aussage verweigert. Die Beschuldigten, alle Schweizer, wiesen die Vorwürfe zurück. Das Gericht konnte sich einzig auf Indizien abstützen.

Es gebe diverse belastende Punkte gegen die Frau, sagte der vorsitzende Bezirksrichter in den mündlichen Ausführungen zum Urteil. So habe sie etwa falsche und widersprüchliche Aussagen gemacht. Es «kommt nicht von ungefähr», dass sie rund vier Jahre als dringend Tatverdächtige in Untersuchungshaft gewesen sei.

Die schwer ritalinsüchtige Frau erhielt einen grossen Teil des Medikaments sowie immer wieder Geld von der Mutter, einer Ärztin. Es sei unbestritten, dass die Beziehung zwischen den beiden «ambivalent und konfliktbeladen» war, sagte der Richter.

Gut möglich sei, dass die Tochter über die Mutter geschimpft und sich deren Tod gewünscht habe. «Eine konkrete Einflussnahme» oder das Versprechen einer Belohnung könne aber nicht belegt werden.

Es lasse sich nicht beweisen, dass sie dem 37-Jährigen den Auftrag gegeben habe, ihre Mutter zu töten. Es gebe «Verdachtsmomente, aber keine Gewissheit», sagte der Richter - in dieser Situation müsse ein Freispruch müsse erfolgen. Die Frau erhält für die Untersuchungshaft eine Genugtuung von 200'000 Franken.

DNA-Spuren als Beweise

Dass der 37-jährige Beschuldigte die 73-Jährige in der Nacht zum 20. August 2016 in ihrer Villa in Küsnacht ZH in ihrem Bett erstickt hat, bezweifelt das Gericht dagegen nicht. Der Mann hat unter anderem DNA-Spuren im Haus, im Schlafzimmer, an der Bettwäsche, am Pyjama und an einem Handgelenk der Getöteten hinterlassen. Dazu kommen verschiedene weitere Indizien.

Er habe bei der Tat eine «erschreckend hohe» kriminelle Energie bewiesen. Die Tötung durch Ersticken sei besonders grausam und für das Opfer qualvoll. Getötet habe er aus finanziellen Interessen. Nach dem Mord durchsuchte er das Haus und verliess es mit Wertsachen, Geld und Bankkarten des Opfers. Aus diesem Grund wurde er auch wegen Raubs schuldig gesprochen.

Mit den Karten bezog er in den folgenden Tagen wiederholt Geld oder machte Einkäufe. Dass er nach der Tat «tagelang ausgiebig in Nachtclubs gefeiert» habe, wirkte sich ungünstig auf das Strafmass aus.

Mittäterschaft nicht beweisbar

Ein 31-jähriger Mann, den der Staatsanwalt der Mittäterschaft beim Tötungsdelikt - in welcher Form auch immer - angeklagt hatte, wurde von diesem Vorwurf mangels Beweisen freigesprochen. Es waren keine Spuren von ihm im Haus gefunden worden.

Verurteilt wurde er wegen eines Nebendelikts, das mit dem Mord nichts zu tun hatte. Die Geldstrafe von zehn Tagessätzen hat er bereits durch die Untersuchungshaft abgegolten. Für die darüber hinausgehende Haft sprach ihm das Gericht 42'000 Franken zu. Der Mann hat sich nach seiner Entlassung aus der Haft ins Ausland abgesetzt.

Den vierten, 29-jährigen Beschuldigten, der mit dem Tötungsdelikt nichts zu tun hatte, sprach das Gericht frei. Er war wegen Strassenverkehrsdelikten angeklagt.

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