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Angeklagtes Ehepaar weist Schuld für Kindesmisshandlung von sich

Am Mittwoch hat die Verhandlung gegen das angeklagte Ehepaar aus Zürich begonnen. Sie sollen über Jahre hinweg ihre eigenen Kinder misshandelt haben. Die beiden Eltern erklärten sich selber für unschuldig.

12.08.2020 / 20:00 / von: szw/sda
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Ein ehemaliges Ehepaar steht wegen mutmasslicher jahrelanger Misshandlung seiner Kinder vor dem Zürcher Bezirksgericht. (Symbolbild: KEYSTONE/DPA/MAURIZIO GAMBARINI)

Ein ehemaliges Ehepaar steht wegen mutmasslicher jahrelanger Misshandlung seiner Kinder vor dem Zürcher Bezirksgericht. (Symbolbild: KEYSTONE/DPA/MAURIZIO GAMBARINI)

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Ein Ex-Ehepaar, das angeklagt ist, in Zürich acht Jahre lang seine Kinder misshandelt zu haben, soll für lange Zeit ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft forderte am Mittwoch vor dem Zürcher Bezirksgericht 15 Jahre Freiheitsentzug für den Vater, 13 für die Mutter.

Als Privatkläger sind am Prozess drei Kinder vertreten. Sie fordern Genugtuungszahlungen von insgesamt 188'000 Franken, unterschiedlich verteilt auf Vater und Mutter.

«Die Kinder waren einem eigentlichen Folter- und Terrorregime ausgesetzt», sagte die Staatsanwältin am Mittwoch am ersten Prozesstag am Bezirksgericht Zürich. Die lückenlose Beweislage müsse zu einer hohen Strafe für beide Eltern führen.

Die heute etwa 50-jährigen Eltern werden beschuldigt, eine Tochter und einen Sohn jahrelang fast täglich weggesperrt, geschlagen, gedemütigt und von der Aussenwelt weitgehend isoliert zu haben. Sie sollen beide Kinder willentlich mangelernährt und regelrecht ausgehungert haben.

Die Taten soll das Elternpaar bereits vor einigen Jahren in Zürich begangen haben. Mädchen und Knabe waren zu Beginn der Qual im Kindergartenalter. Genauere Angaben zu machen hat das Gericht zum Schutz der Kinder den Medien untersagt.

Auch weitere eigene Kinder sollen misshandelt worden sein. Das Paar hat mehr als ein halbes Dutzend gemeinsame Kinder, und beide je ein Kind aus einer anderen Beziehung.

Im ungeheizten Naturkeller eingesperrt

Die Liste der Grausamkeiten, die dem Ex-Paar zur Last gelegt werden, ist lang. Es soll den Knaben und das Mädchen vier Jahre lang fast jede Nacht und mehrheitlich die ganzen Wochenenden eingeschlossen haben. Zunächst geschah das im Kinderzimmer, später im ungeheizten Naturkeller.

Oftmals mussten sich die Kinder auf den Boden erleichtern und gingen nach Urin stinkend in die Schule. Acht Jahre lang durften sie keine sozialen Kontakte zu anderen Kindern unterhalten und auch mit den Geschwistern durften sie nicht spielen.

Zudem wird das Paar beschuldigt, den Kindern regelmässig die Nahrung verweigert zu haben. Der Vater soll beide Kinder all die Jahre fast täglich geschlagen und getreten haben, den Knaben prügelte auch die Mutter.

Gegenseitige Anschuldigung

Der Mann will von all dem, bis auf eine einmalige Ausnahme, nichts gewusst haben. Seine Ex-Frau habe die Misshandlungen ohne sein Wissen begangen, sagte er vor Gericht. Auf die Frage, wie er so gravierende Vorfälle so viele Jahre lang nicht bemerkt habe, sagte er, er habe immer viel gearbeitet, um alle Kinder versorgen zu können.

Der Vater wird weiter beschuldigt, eine weitere Tochter in Kindesalter jahrelang regelmässig sexuell berührt zu haben. Zudem soll er die schon damals erwachsene Stieftochter einmal zu Oralverkehr gezwungen haben. Und schliesslich wird ihm vorgeworfen, seine Ex-Frau bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und damit ihren Tod riskiert zu haben.

Aussagen der Kinder stimmig

Die Aussagen der Kinder seien zurückhaltend, glaubhaft und untereinander stimmig, sagte die Staatsanwältin. Zudem gebe es belastende Aussagen von Lehrern, Nachbarn, Heimbetreuern und Sozialarbeiterinnen, belastende ärztliche Untersuchungen sowie Gefährdungsanzeigen bei den Behörden. Sie sieht es als erwiesen, dass beide Elternteile Misshandlungen ausübten und die vom Anderen ausgeübten billigten.

Die Anklage lautet auf mehrfache schwere Körperverletzung und mehrfache Freiheitsberaubung. Dem Vater wird zudem sexuelle Handlung mit Kindern, sexuellen Nötigung und Gefährdung des Lebens zur Last gelegt.

Der Anwalt des geschädigten Knaben erhob zudem schwere Vorwürfe gegen die Stadtzürcher Vormundschaftsbehörde. Diese habe wider besseres Wissen jahrelang keine einzige Kindesschutzmassnahme verfügt.

Für die Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. Der Prozess ist auf zwei Tage angesetzt. Der zweite Verhandlungstag ist am 2. September.

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