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Anrufflut bei Notrufzentralen: So reagiert die Polizei im Sendegebiet

Im deutschen Halle ist es nach dem Mittag zu einer Schiesserei gekommen. Bei der Polizei gingen dabei so viele Anrufe ein, dass sie kurzfristig auf Twitter dazu aufrufen musste, wirklich nur in Notfällen anzurufen. Sind ähnliche Szenarien auch im Sendegebiet möglich?

09.10.2019 / 17:18 / von: abl
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Die Notrufzentrale der Kantonspolizei Thurgau. (Bild: kapo.tg.ch)

Die Notrufzentrale der Kantonspolizei Thurgau. (Bild: kapo.tg.ch)

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Bei der Schiesserei in Halle am frühen Nachmittag sind zwei Menschen ums Leben gekommen, zwei weitere wurden schwer verletzt. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen, mehrere weitere flüchteten offenbar. Die Polizei mahnte die Bevölkerung auf Twitter zur Achtsamkeit. Gleichzeitig bat sie aber darum, wirklich nur in Notfällen anzurufen:

 

Wir sind momentan mit starken Kräften im Stadtgebiet von #Halle unterwegs.

Bürger mit allgemeinen Nachfragen können die 115 wählen.

Bitte nutzen Sie nicht den Notruf, wenn es sich nicht um einen Notfall handelt! #hal0910

— Polizei Halle (Saale) (@Polizei_HAL) October 9, 2019

 

Auch bei den Polizeikräften im Sendegebiet kommt es vor, dass die Leitungen heiss laufen. Wie die Anruffluten in den Kantonen St.Gallen, Zürich und Thurgau abgewickelt werden, im Beitrag von RADIO TOP:

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Im Kanton St.Gallen gebe es beispielsweise drei unterschiedliche Haupt-Szenarien, erklärt Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St.Gallen. Einerseits Unfälle auf der Autobahn, bei denen häufig viele Anrufe eingingen. «Hier sind wir insbesondere froh, wenn Anrufer konkrete Angaben machen können, ob es Verletzte gibt und wie es auf der Unfallstelle aussieht», so Krüsi. Das zweite Szenario mit vielen Anrufen seien Grossbrände. Häufig würden gerade in den ersten Minuten des Brandes viele Personen anrufen, dann würde sich die Situation allerdings meistens schnell wieder beruhigen.

Anders sieht es beim dritten Grossszenario aus, nämlich wenn ein Unwetter über den Kanton zieht. «Dann haben wir häufig bis zu 500 Anrufe innerhalb kürzester Zeit», erklärt Krüsi. Dabei komme es schon einmal vor, dass Anrufer mit weniger wichtigen Anliegen sich später noch einmal melden müssen. Man habe aber noch nie aktiv darum bitten müssen, sich nur in Notfällen zu melden. Schlimmstenfalls müssten Anrufer jeweils kurz in der Warteschleife warten, wenn die Notrufzentralen komplett überflutet werden.

Ähnlich klingt es im Kanton Thurgau. «Wenn wir eine Lage haben, bei der viele Notrufe eingehen, und jemand einen zugelaufenen Hund oder laute Nachbarn melden möchte, dann wird diese Person auf später vertröstet», so Daniel Meili von der Kantonspolizei Thurgau: «Dafür müssen Anrufer auch Verständnis haben, dass wir ihr Anliegen in diesem Moment nicht priorisieren können».

Sämtliche Anrufe an die Polizei, die Feuerwehr oder die Sanität laufen am gleichen Ort zusammen, deshalb könne es auch einmal stressig werden. Allerdings hätten die Zentralenmitarbeiter die Möglichkeit, Anrufe zu priorisieren, je nachdem an welche Stelle diese sich richten. «Deshalb ist es wichtig, dass Anrufer sich bei der richtigen Nummer – also 117, 118 oder 144 – melden», mahnt Meili. Dann könne die Polizei beispielsweise einen Anruf an 144 vorziehen, wenn alle anderen Anrufe an 118 gehen und sich vermutlich auf den gleichen Brand beziehen.

Etwas anders funktioniert das System im Kanton Zürich. Dort kann die Polizei kurzfristig eine eigene Telefonzentrale am Flughafen Zürich einrichten, wenn es zu einem Grossereignis kommt. Dann können alle Anrufe zu diesem Ereignis direkt auf eine eigene Telefonnummer umgeleitet werden. «Diese Nummer können wir dann beispielsweise in den sozialen Medien oder im Radio und Fernsehen teilen», erklärt Marco Cortesi von der Stadtpolizei Zürich. So hätte die «normale» Zentrale dann wiederum Kapazität für alle anderen Anrufe.

Ausserdem hat der Kanton Zürich einen Notfallplan, beispielsweise für Pandemien, Terroranschläge oder Flugzeugabstürze. In diesen Fällen wird eine sogenannte «Darksite» aufgeschaltet. Wenn jemand dann «Zürich» im Internet sucht, wird er automatisch auf diese Webseite umgeleitet. Dort steht beschrieben, wie sich die Bevölkerung weiter verhalten soll. Bisher ist diese Darksite noch nie zum Zug gekommen. Und auch sonst sei es noch nie vorgekommen, dass die Polizei aktiv dazu aufrufen musste, sich wirklich nur in Notfällen zu melden.

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