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Bezirksgericht Zürich spricht zwei Ärzte frei

Der Einzelrichter am Bezirksgericht Zürich hat am Freitag zwei Ärzte vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung eines Patienten freigesprochen. Es hielt aber fest, die beiden hätten Sorgfaltspflicht-Verletzungen begangen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

11.01.2019 / 19:49 / von: meg/sda
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Der Einzelrichter am Bezirksgericht Zürich hat am Freitag zwei Ärzte vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung eines Patienten freigesprochen (Bild: gerichte-zh.ch)

Der Einzelrichter am Bezirksgericht Zürich hat am Freitag zwei Ärzte vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung eines Patienten freigesprochen (Bild: gerichte-zh.ch)

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Es sei nicht rechtsgenügend nachgewiesen, dass der Tod des 42-jährigen Patienten hätte vermieden werden können, wenn der Chirurg und der Intensivmediziner ihre Sorgfaltspflicht nicht verletzt hätten, sagte der Richter. Aus diesem Grund habe ein Freispruch erfolgen müssen. Die Beschuldigten erhalten Prozessentschädigungen von total 84'000 Franken.

Sie haben aber je die Hälfte der Untersuchungskosten zu tragen und müssen der Witwe des Verstorbenen Prozessentschädigungen von insgesamt 12'000 Franken entrichten.

Die Zivilforderungen verwies das Gericht auf den Zivilweg. Der Rechtsvertreter der Frau hatte Schadenersatz in Höhe von 1,9 Millionen Franken gefordert sowie insgesamt 180'000 Franken Genugtuung für sie und die beiden Kinder.

Die Freisprüche entsprechen den Forderungen der Verteidigerinnen. Die beiden Ärzte hatten in ihrer Befragung jegliche Schuld von sich bewiesen. Die Staatsanwältin hatte Schuldsprüche wegen fahrlässiger Tötung und bedingte Geldstrafen von je 300 Tagessätzen zu 1200 beziehungsweise 600 Franken verlangt. Da sie am Freitag nicht persönlich auftrat, konnte sie keinen Kommentar zum Urteil abgeben.

Ob die Witwe, welche Privatklägerin ist, das Urteil weiterzieht, ist noch unklar. Wie ihr Rechtsvertreter nach der Urteilseröffnung sagte, werde man das Urteil und dessen Begründung zuerst diskutieren müssen.

Wie der Einzelrichter in der mündlichen Urteilsbegründung sagte, stützte sich das Gericht für seinen Entscheid stark auf die medizinischen Gutachten. Gemäss dem Experten wäre es angezeigt gewesen, den Patienten am Tag nach der Operation erneut zu operieren. Zumindest wäre die Erstellung eines CT nötig gewesen, um einen genaueren Befund zu bekommen.

Der 42-jährige Familienvater war bei Eintritt in ein Zürcher Privatspital Ende Oktober 2012 als völlig gesund eingestuft worden. Weil aber sein Magen teilweise im Brustkorb sass, musste die Fehlstellung operiert werden. Dies machte der heute 69-jährige Chirurg in Schlüssellochtechnik. Der Eingriff dauerte über sieben Stunden. Schon kurz nach der Operation hatte der Mann Lungenprobleme.

Am nächsten Morgen war sein Zustand nicht besser. Der nun zuständige, heute 63-jährige Intensivmediziner machte ein Röntgenbild, auf dem er sah, dass der Magen wieder in die Fehlstellung gerutscht war. Er teilte dies telefonisch dem Operateur mit und schlug eine sofortige korrigierende OP vor.

Der Chirurg lehnte aber ab, ohne das Röntgenbild angesehen zu haben. Was der Kollege als falsch sitzenden Magen ansehe, sei wohl nur eine Luftblase im Magen. Dem Patienten solle deswegen eine Magensonde gelegt werden. Der Intensivmediziner liess sich umstimmen.

Beim Legen der Magensonde aber durchstiess er die Speiseröhre des Patienten. Es entstand ein Infekt, eine sehr aggressive Blutvergiftung entwickelte sich, die Lunge kollabierte. Der Patient wurde an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, weswegen er Blutverdünner benötigte.

Als alles nichts half, und es dem 42-Jährigen immer schlechter ging, wurde er acht Tage nach der Operation ins Zürcher Universitätsspital (USZ) verlegt. Dort diagnostizierten die Ärzte eine grosse Hirnblutung als Folge der Blutverdünnung. Noch am Tag der Verlegung starb der Mann. Das USZ reichte Anzeige ein.

Nach der Urteilseröffnung wandte sich der Richter an die Witwe. Eine Verfahrensdauer von mehr als sechs Jahren sei eigentlich unzumutbar. Ihr Leidensweg habe ihn «nicht unberührt gelassen». Es habe aber nun mal «strafrechtlich einfach nicht gereicht». Es gebe keine Beweise, welche «den hohen Anforderungen des Bundesgerichts» genügen würden.

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