Pull down to refresh...
zurück

Der unsichtbare Müll in Schweizer Gewässern

Schweizer Gewässer gleichen unter Wasser stellenweise einer Müllhalde. Flaschen, Gartenstühle, sogar Skis und Tonnen von Plastikmüll liegen am Grund von Seen und Flüssen. Nach Grossanlässen wie der Street Parade häufen sich die Abfallberge noch mehr.

12.08.2019 / 12:13 / von: sbr/sda
Seite drucken Kommentare
0
Auch Velos und Trottinette werden in Gewässern entsorgt. (Symbolbild: pixabay.com)

Auch Velos und Trottinette werden in Gewässern entsorgt. (Symbolbild: pixabay.com)

0
Schreiben Sie einen Kommentar

Besonders schlimm sei die Müllbelastung im Zürcher Seebecken. Bis zu sieben Tonnen Abfall werden dort pro Einsatz aus dem Wasser gefischt. Organisationen wie Abfalltaucher Schweiz kümmern sich darum. Bei drei Einsätzen pro Jahr wird demnach an dieser Stelle eine Abfallmenge von 21 Tonnen gesammelt.

Noch grösser ist die Abfallbelastung nach Grossanlässen wie der Street Parade. Matthias Ardizzon, Präsident von Abfalltaucher Schweiz wird mit seinem Team am 24. August wieder den Zürichsee reinigen. «Ich denke wir werden sieben bis vierzehn Kubikmeter oder noch mehr rausfischen.» Die genaue Menge sei aber schwierig einzuschätzen, je nachdem wie gründlich der See unmittelbar nach der Street Parade gereinigt wurde.

Unter den «Fundstücken» in Zürich seien auffällig viele teure Gegenstände wie Smartphones, E-Trottinette, Markenvelos, Motorräder und Portemonnaies. Matthias Ardizzon hat ausgerechnet, dass der geborgene Müll bei ihrem letzten Einsatz einen Wert von rund 60'000 Franken hatte. «Jeder Mülltauchgang ist auch ein wenig eine Schatzsuche» sagt Ardizzon. «Man weiss nie, was man finden wird. Das macht für viele Taucher auch den Reiz aus, mitzuhelfen.»

Bodensee beinahe zu sauber
Anders sieht die Müllbelastung im Bodensee aus. Gemäss Ernst Zülle, Stadtrat von Kreuzlingen ist dessen Wasser beinahe zu sauber. Die Fische hätten deshalb zu wenig zu essen. Auch nach dem Kreuzlinger Seenachtsfest «Fantastical», welches am Wochenende stattfand, glaubt er nicht, dass der Abfall im Wasser übermässig zugenommen hat. Schliesslich unternehmen die Organisatoren nachhaltige Massnahmen. Mit Mehrfachgeschirr, auf welches es ein Depot gibt, werden die Besucher dazu aufgefordert, weniger wegzuwerfen. «Es wurde fast nichts weggeworfen, im Gegenteil die Besucher haben an ihren Tischen Geschirr gesammelt», so Ernst Zülle. Auch das Feuerwerk sei nachhaltiger hergestellt und vermülle so nicht übermässig. Dies weil es mit Zellulose hergestellt wird und so weniger bis keine Plastikrückstände im See landen.

Der RADIO TOP-Beitrag zur Abfallsituation von Gewässern im TOP-Sendegebiet:

115 Tonnen Plastik pro Jahr in Gewässern
Der Swiss Litter Report untersuchte 2018 den Zustand der Abfallverschmutzung an den Ufern der Schweizer Gewässer. Er kam zum Ergebnis, dass in Sommermonaten durchschnittlich auf jedem Quadratmeter Ufer ein Stück Müll liegt. In Schweizer Gewässern landen jährlich 115 Tonnen Plastikmüll, so eine im Juli 2019 erschienene Untersuchung der Empa im Auftrag des Bundes.Erst langsam wachse das Bewusstsein in der Bevölkerung, dass Umweltschutz nicht an der Wasseroberfläche aufhört, sagen Umweltschützer, Fischer und Taucher seit längerem. Die Mitglieder des Vereins Abfalltaucher Schweiz wissen, dass ihre Arbeit nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist. Jedoch, so sagen sie optimistisch, «steter Tropfen höhlt den Stein. Nichts zu unternehmen, sei auch keine Lösung.»
Beitrag erfassen

Keine Kommentare