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Günstige Stehplatz-Billette bei Platznot in der Zürcher S-Bahn?

In den Zürcher S-Bahnen dürfte es in den nächsten Jahren eng werden. Die Passagierzahlen steigen, gleichzeitig ist bis ins Jahr 2035 kein Ausbau mehr geplant. Nun wird auch eine «Holzklasse» zum Thema.

11.07.2019 / 17:31 / von: mco
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Ein Lösung dem Pendleransturm gerecht zu werden, wäre die Verlängerung einzelner Perrons. (Bild: RADIO TOP/Marija Lepir)

Ein Lösung dem Pendleransturm gerecht zu werden, wäre die Verlängerung einzelner Perrons. (Bild: RADIO TOP/Marija Lepir)

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Der Zürcher Verkehrsverbund ZVV rechnet damit, dass die Nachfrage im öffentlichen Verkehr bis ins Jahr 2025 um 20 Prozent steigt. Bei aktuell rund 600 Millionen Fahrgästen pro Jahr ist also von einem Zuwachs um 120 Millionen Fahrgäste auszugehen. Allerdings kann der ZVV diesen Anstieg nicht mit einem weiteren Ausbau der S-Bahn abfangen, da Grossprojekte des Bundes Vorrang haben: Bis ins Jahr 2035 sollen der Bahnhof Stadelhofen aus- und der Brüttenertunnel neu gebaut werden. Bis dann müssen die S-Bahn-Projekte des Kantons hintenan stehen. Einzig Stadtbahnen wie die Glatttalbahn oder das geplante Rosengartentram könnten das Netz etwas entlasten.

Für die Pendlerinnen und Pendler im Kanton Zürich heisst das, dass es zu Stosszeiten enger wird in den nächsten Jahren. Immerhin ist nicht davon auszugehen, dass die Passagierzahlen auch nach 2025 weiter stark steigen – auch wenn hierzu keine Prognose vorliegt. Beim ZVV heisst es auf Anfrage, dass es nur sehr begrenzt Spielraum gibt zur Vermeidung der Engpässe in den Stosszeiten. Geprüft wird unter anderem, ob längere Züge eingesetzt und an gewissen Bahnhöfen die Perrons verlängert werden.

«Der Engpass war längst absehbar», kritisiert Gabi Petri vom VCS Zürich. Gerade deswegen hätte sich der VCS schon 2014 mit einer Initiative dafür eingesetzt, dass der Bahnhof Stadelhofen noch vor dem Zeitplan des Bundes realisiert wird. Dieses Anliegen wurde jedoch abgelehnt. Petri sieht nun wenig Möglichkeiten, die Pendlerinnen und Pendler vor übervollen Zügen zu bewahren: «Ich habe fast etwas Mitleid mit Personen, die pendeln müssen.»

Eine Option sieht sie höchstens darin, dass der Kanton seine Behörden in den nächsten Jahren dezentralisiert. Indem gewisse Institutionen oder Behörden in Ortschaften ausserhalb der Stadt Zürich verlegt werden, liessen sich Pendlerströme umlenken, so Petri: «Hier ist es Sache der Baudirektion, Verbesserungen vorzunehmen.»

Urs Schaffer von der Pendlerorganisation Pro Bahn sieht nicht nur die Zürcher Behörden, sondern auch private Unternehmen in der Pflicht: «Gefragt sind alternative Arbeitszeitmodelle, so dass nicht alle Angestellten im Kanton zur gleichen Zeit auf den Zug müssen.» Die Arbeitgeber sollten auch mehr Hand bieten, wenn es etwa um Home Office geht, findet Schaffer. Er befürchtet, dass das bestehende Netz ohne entsprechende Massnahmen an seinen Anschlag kommt.

Trösten dürfte die Pendlerinnen und Pendler im Kanton Zürich, dass die Zürcher Regierung bereits festgelegt hat, die Tarife in den nächsten zwei Jahren nicht zu erhöhen. Da es keinen grösseren Ausbau gibt, sei eine Erhöhung der Billetpreise kein Thema. Schaffer würde gerne noch weiter gehen. «Ich bin beruhigt, dass es zumindest nicht aufwärts geht mit den Preisen. Wünschenswert wäre die andere Richtung, etwa indem ein Stehplatz-Abo angeboten wird», sagt der Pendler-Vertreter. Das Abo für die Holzklasse sei derzeit nur eine Idee, die er aber gegebenenfalls weiterverfolgen wird. Allerdings stösst sie auf wenig Gegenliebe beim ZVV. Sprecher Caspar Frey erklärt auf Anfrage, ein Stehplatz-Abo sei kein Thema. Das bestehende System mit einer ersten und einer zweiten Klasse habe sich bewährt.

Der ganze Beitrag kann hier nachgehört werden:

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