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Nach Negativ-Schlagzeilen: 29 Empfehlungen zum Zürcher Unispital

Um Unregelmässigkeiten am Zürcher Universitätsspital (USZ) in Zukunft zu verhindern, hat die Gesundheitsdirektion Natalie Rickli ein externes Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses liegt nun vor: Es enthält 29 Empfehlungen, die nun geprüft werden. Ausserdem zeigt es: Rickli erfuhr aus den Medien von den Missständen.

20.11.2020 / 11:45 / von: mle/sda/pwa
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Das Unispital hat in letzter Zeit vermehrt negative Schlagzeilen gemacht. (Symbolbild:: KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI)

Das Unispital hat in letzter Zeit vermehrt negative Schlagzeilen gemacht. (Symbolbild:: KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI)

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Das Gutachten sollte klären, wo strukturelle Probleme im Zusammenhang mit dem USZ bestehen und wie die Gesundheitsdirektion ihre Aufsicht verbessern könnte. Die 29 Empfehlungen würden nun geprüft, teilte die Zürcher Gesundheitsdirektion am Freitag mit. Wie lange das dauert und was davon umgesetzt wird, ist offen.

Das Gutachten enthält unter anderem Empfehlungen zu verbesserter Organisation, besseren Schnittstellen, zum Umgang mit Interessenbindungen und Nebenbeschäftigungen sowie auch Empfehlungen zum Umgang mit Whistleblowern. Das USZ wurde harsch kritisiert, denn es hatte den Whistleblower im «Fall Maisano» erst entlassen und dann wieder eingestellt. Danach wurde der Vertrag mit ihm erneut aufgelöst.

Wie die Empfehlungen genau aussehen, im Beitrag von RADIO TOP:

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Je nach dem, was von den 29 Empfehlungen umgesetzt wird, würden dabei auch andere Direktionen oder der Spitalrat einbezogen, schreibt die Gesundheitsdirektion. Einige der Empfehlungen würden eine Änderung des USZ-Gesetzes voraussetzen, etwa das Weisungs- und Kontrollrecht des Spitaldirektors gegenüber den Klinik- und Institutsleitungen.

Eine Gesetzesänderung bräuchte es etwa auch für die Offenlegung von Interessenbindungen und für ein neues Lohnsystem für das Ärztekader. Bereits eingerichtet hat das Spital inzwischen eine anonyme Melde-Plattform für Missstände.

Auch personell kam schon einiges ins Rollen: Anfang dieser Woche kündigten Spitalratspräsident Martin Waser, der Vizepräsident sowie ein weiteres Spitalrats-Mitglied ihre Rücktritte per Juni 2021 an.

«USZ soll zur Ruhe kommen»

Das wichtigste sei, dass bei der Umsetzung der Massnahmen der operative Betrieb des Spitals nicht beeinträchtigt werde. «Es ist uns wichtig, dass das USZ zur Ruhe kommt und sich voll der optimalen Versorgung aller Patientinnen und Patienten widmen kann», wird Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) zitiert.

Noch ausstehend sind die Empfehlungen der kantonsrätlichen Subkommission, die in den ersten Monaten des kommenden Jahres publiziert werden sollen. Auch diese sollen dann in die Gesamtbeurteilung einfliessen. Wie die Subkommission am Freitag gleich nach der Publikation des externen Gutachtens mitteilte, werden ihre eigenen Empfehlungen in eine ähnliche Richtung gehen.

Implantate der eigenen Firma verwendet

Auslöser für die Unruhe am USZ waren Medienberichte über den Leiter der Herzchirurgie, Francesco Maisano. Ihm wird vorgeworfen, Implantate einer Firma verwendet zu haben, an der er selber beteiligt ist, und diese Interessenbindung nicht deklariert zu haben. Zudem soll er Operationsberichte geschönt haben.

Maisano arbeitet inzwischen nicht mehr am USZ. Das Spital reichte Strafanzeige gegen ihn ein. Auch andere Spitzenmediziner sorgten für Kritik. So soll etwa der ehemalige Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie systematisch Patienten zur Behandlung an seine private Praxis überwiesen haben. Der ehemalige Klinikdirektor für Gynäkologie soll es zudem geschafft haben, drei Frauen gleichzeitig zu operieren - und entsprechend Rechnung zu stellen.

Gesundheitsdirektorin erfährt erst aus den Medien von Vorwürfen

Das Gutachten zum USZ zeigt ausserdem auch, wie schlecht die Kommunikation zwischen Spitalratspräsident Martin Waser und Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) war. Sie erfuhr teilweise erst aus den Medien, was am USZ vor sich ging.

Der Spitalrat ist eigentlich verpflichtet, die Gesundheitsdirektion über «Vorkommnisse von grosser Tragweite» frühzeitig zu informieren. Bei den Vorwürfen gegen mehrere Spitzenmediziner handelt es sich zweifellos um solche Vorkommnisse.

Der Spitalrat kam seiner Verpflichtung aber nur ungenügend nach, wie es im Gutachten heisst. Die Gesundheitsdirektion habe teilweise erst kurz vor Veröffentlichung in den Medien etwas von den Unregelmässigkeiten erfahren, in einigen Fällen sogar erst danach.

Die Kommunikation habe sich aber auch nicht verbessert. Der Spitalrat habe keine Sensibilität dafür gehabt, dass die Information zu diesen Missständen für die Gesundheitsdirektion wesentlich gewesen sei. Das Vertrauen in Waser sei deshalb belastet gewesen.

Gekittet werden konnte dieses belastete Vertrauen offenbar nicht mehr: Waser, der Vizepräsident sowie ein weiteres Spitalrats-Mitglied kündigten Anfang Woche ihren Rücktritt an.

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