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Natalie Rickli kritisiert Impfmanagement des Bundes

Der Kanton Zürich ist schweizweites Impfschlusslicht. Nidwalden hat pro Kopf bereits doppelt so viele Impfdosen verabreicht. Schuld sei aber nicht der Kanton, sondern der Bund, kritisiert die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli.

27.02.2021 / 13:00 / von: sfa/vsa
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Laut Natalie Rickli wird der Kanton Zürich bei der Impfstoffverteilung benachteiligt. (Bild: KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)

Laut Natalie Rickli wird der Kanton Zürich bei der Impfstoffverteilung benachteiligt. (Bild: KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)

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Im Kanton Zürich wird die Risikogruppe voraussichtlich erst Ende April gegen Covid-19 durchgeimpft sein. Ursprünglich sollte dies bereits im März der Fall sein. Schuld daran sei aber nicht das gemächliche Impftempo des Kantons – sondern schuld sei die Impfstoffverteilung von Seiten des Bundes, kritisiert die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli im Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

Der Kanton Zürich hat gemäss Rickli pro 100 Einwohner bisher 8,5 Impfdosen erhalten – deutlich weniger als andere Kantone. Im Kanton Nidwalden etwa sind es pro 100 Einwohner bereits 14 Dosen. Das liegt einerseits an der Bevölkerungsstruktur: Der Kanton Zürich ist im Durchschnitt relativ jung – daher erhält er in der ersten Phase weniger Impfstoff als Kantone mit einer älteren Bevölkerung.

Andererseits erhalten kleine Kantone etwas grössere Chargen, weil die Liefermengen aus logistischen Gründen eine gewisse Grösse erreichen müssen, so Rickli weiter. Sie sagt denn auch, dass sie den Ärger und die Ungeduld der Bevölkerung über die langsame Impfkampagne verstehe.

Politiker von links bis rechts stimmen Rickli zu

Für Ricklis Kritik bekommt sie Rückendeckung aus verschiedenen, politischen Lagern. So sagt beispielsweise der Fraktionspräsident der Zürcher Grünene, Thomas Forrer, gegenüber RADIO TOP: «Wir sind grundsätzlich einverstanden mit der Impfstrategie von Natalie Rickli. Es ist sehr wichtig, dass die zweite Impfdosis stets zurückbehalten wurde, sodass alle, die eine erste Dosis erhalten haben, auch zu einer zweiten Dosis kommen». In den Augen der Grünen muss der Kanton also trotz Lieferengpässen beim Impfstoff nichts an seiner Strategie ändern. Ähnlich klingt es seitens der FDP. Die Zürcher FDP-Fraktionspräsidentin Beatrice Frey-Eigenmann erklärt gegenüber RADIO TOP: «...solange der Impfstoff nicht bereit steht, können wir noch so gut aufgestellt sein. Solange der Impfstoff fehlt, nützt alles nichts». 

Anders als in anderen Kantonen

Der Zürcher Regierungsrat wird – anders als der Bundesrat – nicht prioritär geimpft. Rickli selber versichert, sie habe noch keine Impfung erhalten, weil sie nicht zur Risikogruppe gehöre und demnach noch nicht an der Reihe sei.

Der Kanton Zürich hatte zu Beginn der Impfaktion gleich mehrfach für Kopfschütteln gesorgt: Zum Jahreswechsel brach das

Online-Anmeldetool für Impftermine

aufgrund des grossen Ansturms komplett zusammen. Und zur Eröffnung des Zürcher Impfzentrums Anfang Januar wurden

öffentlichkeitswirksam Prominente geimpft,

darunter Walter Andreas Müller und Franz Hohler – das sorgte für Kritik, weil der Impfstoff extrem knapp ist.

In der Schweiz wird aktuell mit zwei Präparaten geimpft: jenem von Biontech und Pfizer, sowie jenem von Moderna. Allerdings kommen die Hersteller ihren Lieferversprechen nicht oder nur verspätet nach, weshalb das Impftempo in der Schweiz mehrfach reduziert werden musste. Für den Frühling haben die Hersteller allerdings grössere Liefermengen versprochen. Auch die Zulassung eines weiteren Impfstoffs könnte Abhilfe schaffen. Die Zulassung für

das Präparat von Astrazeneca

ist bei Swissmedic noch hängig.

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Heinz
am 27.02.2021 um 19:00
Meine Verwandten und Bekannten in anderen Kantonen sind bereits geimpft. Im ach so mustergültigen Kanton Zürich kann ich mich als Risikopatienten noch nicht einmal anmelden. Welch ein Skandal!