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Stadt Zürich geht gegen rassistische Zeichen im Stadtraum vor

In der Stadt Zürich gibt es sichtbare Zeichen mit rassistischem oder kolonialistischem Bezug. Der Stadtrat will nun diese Zeitzeichen einzeln überprüfen und danach entweder entfernen oder kontextualisieren.

08.04.2021 / 10:03 / von: mma
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Rassistische Hausnamen wie dieser sollen verschwinden. (Bild: Stadt Zürich/Archäologie 2020)

Rassistische Hausnamen wie dieser sollen verschwinden. (Bild: Stadt Zürich/Archäologie 2020)

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In der Stadt Zürich gibt es Zeitzeichen, zum Beispiel Hausnamen-Inschriften und Wandbilder, die einen Bezug zu Anti-Schwarzen-Rassismus und Kolonialismus haben. Sie befinden sich mehrheitlich im Niederdorf und gehören zur Stadtgeschichte. Da diese Zeitzeichen allerdings Direktbetroffene mit bestehendem Rassismus konfrontieren und der Bevölkerung eine unhinterfragte Normalität suggerieren, will die Stadt nun dagegen vorgehen.

Wie der Stadtrat am Donnerstag mitteilt, will er diese Zeitzeichen einzeln prüfen und danach entweder entfernen, aufbereiten oder kontextualisieren. Entfernt werden Zeitzeichen dann, wenn die rassistische oder diskriminierende Wirkung auch durch eine Kontextualisierung nicht verhindert werden könne, heisst es weiter. Als Beispiel nennt die Stadt zwei Liegenschaften im Niederdorf, bei denen die Hausnamen entfernt werden.

Es gibt allerdings Objekte, die beispielsweise aufgrund ihrer Grösse, ihres historischen Kontexts oder anderer Interessen nicht entfernt werden können oder sollen oder deren Problematik sich erst vor dem Hintergrund historischen Wissens eröffnet. Solche Objekte erfordern laut der Stadt eine Aufarbeitung – also beispielsweise eine sichtbare Kontextualisierung, Umgestaltung oder eine künstlerische Erweiterung. Ein Beispiel dafür sind die Darstellungen in der denkmalgeschützten Aula des städtischen Schulhauses Hirschengraben. Die Darstellungen repräsentieren die im 19. Jahrhundert weit verbreitete exotisierende Zurschaustellung «fremder Völker».

Während die Entfernung der Inschriften im Niederdorf voraussichtlich bald realisiert werden könne, sei bei der Aufarbeitung mit einem längeren Prozess zu rechnen, in den auch wissenschaftliche Expertisen sowie Sichtweisen von Betroffenen einbezogen werden sollen.

Wie genau die Stadt dabei vorgehen möchte - im Beitrag von RADIO TOP:

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Private werden von Stadt unterstützt

Die Stadt betont in der Mitteilung, dass sie keine direkten Eingriffsmöglichkeiten bei privaten Liegenschaften besitze. Die Rechtsgrundlage fehle. Sie will aber aktiv auf die Eigentümer zugehen, um sie zu sensibilisieren und einzuladen, im Sinne des öffentlichen Interesses mit dem städtischen Vorgehen gleichzuziehen. Die damit verbundenen Prozesse können durch die Stadt begleitet und unterstützt werden.

Längerfristig setzt die Stadt auch auf andere Massnahmen. Unter anderem auf eine aktive Auseinandersetzung mit den kolonialen Spuren, so etwa durch eine Ausstellung im Stadthaus. Der Stadtrat folgt mit seinem Vorgehen den Empfehlungen einer interdisziplinären Projektgruppe, die im Sommer 2020 eingerichtet worden war.

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