Pull down to refresh...
zurück

Tötungsdelikt Boppelsen: Anwälte von Mitbeschuldigten fordern milde Strafen

Am Bezirksgericht Bülach ZH haben am Montag die Verteidiger der beiden Mitbeschuldigten Freisprüche von zahlreichen Anklagepunkten und Freiheitsstrafen von wenigen Jahre gefordert. Der 36-jährige Garagist und die 29-jährige Ehefrau des Haupttäters hätten namentlich mit den Tötungsdelikten nichts zu tun.

23.09.2019 / 17:28 / von: sda/mco
Seite drucken Kommentare
0
Die Staatsanwältin hatte für die Beschuldigten lebenslängliche Haftstrafen beantragt. (Screenshot: TELE TOP)

Die Staatsanwältin hatte für die Beschuldigten lebenslängliche Haftstrafen beantragt. (Screenshot: TELE TOP)

0
Schreiben Sie einen Kommentar

Die beiden Mitbeschuldigten haben sich gemäss ihren Verteidigern mehrerer Delikte schuldig gemacht, nicht aber des Mordes. Für die Frau sei eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren angemessen, sagte ihr Anwalt. Für den 36-jährigen Garagisten aus dem Kanton Solothurn forderte dessen Verteidiger 3 Jahre und 9 Monate.

Die Staatsanwältin hatte für beide lebenslängliche Freiheitsstrafen wegen Mittäterschaft zu Mord und wegen anderer schwerer Delikte gefordert. Auch der Haupttäter soll laut Anklage lebenslänglich ins Gefängnis, er soll zudem verwahrt werden. Sein Verteidiger hatte für eine Freiheitsstrafe von maximal 12 Jahren und einen Verzicht auf die Verwahrung plädiert.

Beschuldigt sind die Frau und der 36-Jährige unter anderem der Mittäterschaft zur Tötung eines Lastwagenbesitzers aus dem Kanton Zürich Anfang Juni 2016. Sie sollen dem mutmasslichen Haupttäter, einem 29-jährigen erfolglosen Transportunternehmer aus dem Kanton Bern, geholfen haben, den Mann zu überwältigen, zu fesseln und zu entführen, um an den Lastwagen zu kommen.

Keine Rede von Gewalt
Es gebe keine Hinweise, dass die Mitbeschuldigten über Einzelheiten des Plans, geschweige denn die beabsichtigte Tötung, informiert gewesen wären. Beide nahmen laut ihren Verteidigern an, es gehe nur darum, den Mann um seinen Lastwagen zu prellen. Von Gewalt sei im Voraus nie die Rede gewesen.

Als der Hauptbeschuldigte im Laufe des Geschehens die Pläne änderte und den Lastwagenfahrer überwältigte, da habe dem Garagisten der Mut für den Ausstieg gefehlt. Die Frau sei zu weit entfernt gewesen, um die Überwältigung überhaupt mitzubekommen.

Haupttäter tötete allein
Nicht beschuldigt sind die beiden der Mittäterschaft zur Ermordung eines jungen Serben ein paar Wochen zuvor. Sie sollen aber mitgeholfen haben, den 25-Jährigen zu überwältigen und gefesselt über Nacht festzuhalten.

Getötet wurden der Serbe und der Lastwagenbesitzer allein vom Hauptbeschuldigten. Er verklebte ihnen die Atemwege und liess sie qualvoll ersticken.

Vom Tod des Serben will die Frau am folgenden Morgen erfahren haben. Auf Geheiss ihres Mannes habe sie geholfen, die Leiche im Garten zu vergraben. Damit machte sie sich gemäss Anklage und Verteidigung der Störung des Totenfriedens schuldig.

Der 36-jährige habe erst kurz vor seiner Festnahme am 6. Juni 2016 von der Tötung erfahren, sagte sein Verteidiger. Zuvor habe er dem Hauptbeschuldigten geglaubt, der Serbe sei in seine Heimat gefahren.

Anweisungen befolgt
Zwar hätten die beiden Mitbeschuldigten seit 2013 bei mehreren Betrügereien und dergleichen mitgeholfen, räumten die Verteidiger ein. Sie hätten aber stets in untergeordneten Rollen gehandelt.

Die Frau habe immer wieder die Augen verschlossen oder weggesehen - sie sei es gewohnt gewesen, die Anweisungen ihres Ehemanns zu befolgen. Den 36-Jährigen schilderte dessen Anwalt als unterwürfigen, leicht manipulierbaren Mann, der dem Hauptbeschuldigten «beinahe hörig» gewesen sei. Mörder seien sie beide nicht.

Beitrag erfassen

Keine Kommentare