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Wie das Wetter dieses Jahr den Weinbauern zu schaffen macht

Der nasse und kalte Sommer hat den Weinbauern zugesetzt. Einige verzeichnen hohe Verluste bei der Traubenernte. RADIO TOP hat einen Betrieb in Waltalingen ZH besucht und sich bei der Wümmet und dem Keltern ein Bild der Schäden gemacht.

21.10.2021 / 11:30 / von: lny
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Die Chardonnay-Trauben sind im Vergleich mit anderen wenig beschädigt. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Die Chardonnay-Trauben sind im Vergleich mit anderen wenig beschädigt. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Die guten Trauben werden in Kisten gesammelt. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Die guten Trauben werden in Kisten gesammelt. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Angepickte Beeren müssen weggeschnitten werden. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Angepickte Beeren müssen weggeschnitten werden. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Die Trauben werden in grossen Kübeln zum Keltern gebracht. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Die Trauben werden in grossen Kübeln zum Keltern gebracht. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Die Abbeermaschine und die Presse stehen bereit. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Die Abbeermaschine und die Presse stehen bereit. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Die Trauben werden in die Abbeermaschine geleert, die die Beeren von den Stielen trennt. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Die Trauben werden in die Abbeermaschine geleert, die die Beeren von den Stielen trennt. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Der Kellermeister prüft den Zuckergehalt in den Trauben. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Der Kellermeister prüft den Zuckergehalt in den Trauben. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Der Saft wird aus den Trauben gepresst. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

Der Saft wird aus den Trauben gepresst. (Bild: TOP-Medien/Luzia Nyffeler)

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Es ist ein nebliger Montagmorgen um 08:30 Uhr am Fuss eines Rebhangs etwas westlich des Schlosses Schwandegg in Waltalingen ZH. Mit Schere und Handschuhen ausgerüstet geht es den Hang hinauf bis zum Anfang der Reihe Rebstöcke mit Chardonnay-Trauben. Dort erklärt Winzerin Yvonne Roth, worauf beim Ablesen der Trauben geachtet werden muss. «Traube abschneiden und anschauen. Fäulnis muss raus, angepickte Beeren – das stinkt dann auch nach Essig – und dann gibt es noch Stiellähme, bei der die Stiele abdorren.» Alle faulen, angeknabberten oder vertrockneten Beeren werden rausgeschnitten. Die schönen kommen in eine Kiste, die auf einer Art Schlitten den Hang hinuntergezogen wird. Ist eine Kiste voll, wird sie unter den Reben stehen gelassen. Von Zeit zu Zeit werden die vollen Kisten mit dem Traktor geholt.

RADIO TOP war bei der Wümmet dabei und hat erfahren, wie sehr das Wetter den Trauben zugesetzt hat:

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Grosse Ernteausfälle bei bestimmten Sorten

Beim Ablesen ist der Schaden durch das kalte und nasse Wetter im Sommer gut zu sehen. Zwar kann Yvonne Roth nicht genau sagen, wie hoch der Ernteausfall insgesamt ist. Einige Sorten hat es mehr getroffen als andere. Beim Merlot ist bis zu 50 Prozent der Ernte kaputt. Das Wetter hat nicht nur direkt Schäden angerichtet, sondern auch indirekt. In diesem Sommer war es für die Winzer schwierig, die Reben mit Pflanzenschutzmittel vor Pilzbefall zu schützen. Oft gab es nur einen Tag in der Woche, an dem es nicht geregnet hat. «Und dieses Zeitfenster mussten wir nutzen. Wenn wir das verpasst haben, hat es wieder sechs Tage geregnet und dann waren wir zu spät mit dem Pflanzenschutz», erklärt Kenny Keller, der den Betrieb führt. Der Regen hat das schon gespritzte Mittel auch abgewaschen und bis zum nächsten Spritzdurchgang konnte sich der Pilz bereits ausbreiten und die Reben angreifen. Das wiederum erschwert die Traubenlese. Dennoch sind bis am Mittag die Chardonnay-Reben abgelesen und die Trauben gehen zum Keltern.

Tiefer Zuckergehalt wegen nassem Sommer

Gekeltert wird im Anbau neben dem Wohnhaus. In einem hohen Raum stehen Plastik- und Metalltanks sowie mehrere Maschinen. Eine davon steht mitten im Raum und hat einen metallenen Trichter. In diesen werden die Trauben geleert und die Maschine trennt die Beeren von den Stielen, erklärt Kellermeister Kenny Keller: «Dann werden die Beeren leicht gequetscht, damit der Saft rauskommt und dann geht es beim Weisswein direkt auf die Presse.» Für Rotwein kommen die Trauben nach dem Abbeeren erst in einen Tank, wo sie ein wenig gären. Denn die Farbe steckt in der Haut und diese löst sich dann und färbt den Wein.

Die Trauben kommen in den Trichter:

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Nachdem die Beeren abgelöst und gequetscht worden sind, prüft der Kellermeister den Zuckergehalt der Beeren mit einem speziellen Gerät. Der Zuckergehalt gibt auch gleich Aufschluss über den späteren Alkoholgehalt des Weins. Die Chardonnay-Trauben haben weniger Zucker als erwünscht. Auch dies ist dem Wetter im Sommer geschuldet. «Das hat uns den Herbst ein bisschen nach hinten geschoben, das heisst mehr in den Oktober und gegen den November hin. Darum sind die Tage kühler und wir hatten bereits Frost. Und wenn es kalt wird stellen die Reben ab, die Zuckerproduktion wird unterbunden», erklärt Kenny Keller. Zwar dürfen die Winzer Zucker zufügen, die Menge ist aber begrenzt.

RADIO TOP hat beim Keltern vom Kellermeister erfahren, wie gut der Wein dieses Jahr wird:

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Ein durchschnittlicher Jahrgang

Der geringere Zucker- und folglich Alkoholgehalt beeinflusst auch die Qualität. Der Wein ist weniger schwer und dementsprechend weniger gehaltvoll. «Es hat auch weniger Gerbstoffe in den Häuten und Kernen, die den Wein breit und füllig machen», so Kenny Keller. Dennoch gebe es einen guten Wein. Es wird aber kein überdurchschnittlicher Jahrgang wie 2020 oder 2018.

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