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Zürcher CO2 aus Klärschlamm wird künftig in der Nordsee gelagert

Die Stadt Zürich kann bei der Klärschlammverbrennung im Werdhölzli ein Pionierprojekt starten. Das Stadtparlament hat am Mittwoch zugestimmt, dass das CO2 aus der Verbrennung künftig abgetrennt, verflüssigt und eingelagert wird. Weil ein Teil des Klimagases nach Dänemark geht, hatten einige Ratsmitglieder jedoch Vorbehalte.

20.06.2024 / 10:21 / von: sda/msc
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Das CO2, das bei der Verbrennung des Klärschlamms im Werdhölzli entsteht, soll abgeschieden, verflüssigt und eingelagert werden. (Archivbild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA)

Das CO2, das bei der Verbrennung des Klärschlamms im Werdhölzli entsteht, soll abgeschieden, verflüssigt und eingelagert werden. (Archivbild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA)

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Mit 100 Ja- zu 13 Nein-Stimmen genehmigte das Stadtparlament das Projekt in der Kläranlage Werdhölzli. «Wir schreiben damit Zürcher Klimageschichte», sagte Stadträtin Simone Brander (SP). Diese Klimageschichte kostet rund 35 Millionen Franken sowie ab 2028 wiederkehrende Ausgaben von 14 Millionen.

Ziel ist es, das CO2 der Klärschlammverbrennung nicht länger durch den Kamin in die Luft abzulassen, sondern abzuscheiden und zu verflüssigen. Das verflüssigte Klimagas wird dann entweder in Recyclingbeton eingelagert - oder per Lastwagen nach Dänemark gebracht. Dort wird es in der Nordsee im Boden eingelagert. 25'000 Tonnen CO2 sollen so pro Jahr der Luft entzogen werden.

«CO2 quer durch Europa karren»

Der CO2-Export nach Dänemark sorgte jedoch bei einigen Parlamentarierinnen und Parlamentarier für Vorbehalte. Er habe Mühe damit, wenn CO2 mit Lastwagen in der Welt herumgeschippert werde, sagte etwa Matthias Probst von den Grünen. Wenn es nur um die Einlagerung in Beton gegangen wäre, hätte er Ja gestimmt. So drückte der Grüne jedoch auf den roten Knopf.

Zumindest teilweise gleicher Meinung war die SVP. Es sei doch nicht sinnvoll, CO2 quer durch Europa zu karren, sagte Johann Widmer. Hier gehe es einmal mehr nur darum, das lokale Netto-Null-Ziel zu erreichen. «Koste es, was es wolle.»

Auch bei der FDP gab es Zweifel. «Man muss sich schon fragen, ob es nicht bessere Konzepte gibt», sagte Emanuel Tschannen. «Unser Ja soll deshalb nicht als Ja für eine künftige Gross-Anlage im Hagenholz interpretiert werden.»

Wird das Projekt im Werdhölzli ein Erfolg, soll dereinst auch das CO2 der Kehrichtverbrennungsanlage Hagenholz gebunden werden. Dort liegt das Potenzial bei jährlich bis zu 180'000 Tonnen CO2, die ab 2035 abgeschieden und verflüssigt werden könnten.

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