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Zürcher Obergericht lässt Senioren-Schubserin abblitzen

Das Zürcher Obergericht hat eine 32-jährige Frau zu einer «kleinen Verwahrung» verurteilt. Sie schubste vor rund zwei Jahren an einer VBZ-Bushaltestelle eine 79-Jährige. Diese stürzte zu Boden und starb einige Tage später.

13.07.2020 / 17:00 / von: das/sda
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Eine 32-jährige Frau hat sich vor dem Obergericht erfolglos gegen die kleine Verwahrung gewehrt. (Screenshot: TELE TOP)

Eine 32-jährige Frau hat sich vor dem Obergericht erfolglos gegen die kleine Verwahrung gewehrt. (Screenshot: TELE TOP)

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Der Vorfall ereignete sich am 23. Mai 2018 an der VBZ-Haltestelle Zehntenhausplatz in Zürich-Affoltern. Die damals 30 Jahre alte Frau soll die 79-jährige Seniorin, die mit ihrer Schwester dort wartete, in aggressiver Weise gestossen haben. Die Beschuldigte räumte im Verfahren ein, die ältere Dame «geschupft» zu haben, aber «nicht so fest». Dem Stoss mit beiden Händen ging ein harmloser Disput voraus. Nach einem ersten Anrempeln soll die ältere Frau «geht's noch» gesagt haben.

Daraufhin stiess die Angreiferin die Seniorin um. Diese stürzte kopfüber auf den Asphalt. Sie verlor mehrere Zähne und erlitt Schürfungen und Hämatome an Kinn und Knie. Sie musste ins Spital gebracht werden, wo sie wenige Tage später starb. Ein psychiatrisches Gutachten kam zum Schluss, dass die heute 32-jährige Angreiferin mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit an einer schizophrenen Erkrankung gelitten habe.

Seit 2012 sei es immer wieder zu Verhaltensauffälligkeiten gekommen, insbesondere zu aggressiv bedrohlichem Verhalten. Im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung verbrachte sie bereits mehrere Monate in einer psychiatrischen Klinik. Auch dort soll sie gegenüber Angestellten aggressiv und handgreiflich geworden sein. Im wegen der Corona-Krise schriftlichen Verfahren vor Obergericht ging es nun um die Frage, ob die Frau zu einer stationären therapeutischen Massnahme verurteilt werden soll.

Mit der umgangssprachlich «kleinen Verwahrung» soll eine schwere psychische Störung therapiert werden. Sie wird verhängt, wenn eine Tat im Zusammenhang mit der Störung steht und zu erwarten ist, dass eine Therapie die Rückfallgefahr senken kann. Die Massnahme wird nach fünf Jahren überprüft und dann entweder fortgeführt oder beendet.

Das Bezirksgericht hatte die Frau im August 2019 wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt, die zu vollziehen ist. Zudem hatte es eine therapeutische stationäre Massnahmen angeordnet. Der Anwalt der Beschuldigten beantragte vor Obergericht nun eine Verurteilung wegen Tätlichkeit anstelle der versuchten schweren Körperverletzung und den Verzicht auf die die «kleine Verwahrung».

Das Zürcher Obergericht sieht die Voraussetzungen für eine stationäre Massnahme jedoch als erfüllt an und bestätigte diese deshalb, wie aus dem Urteil hervorgeht. Es stützt sich dabei auf das psychiatrische Gutachten. Gemäss diesem besteht bei der Frau nach wie vor die Neigung, in Konfliktfällen aggressiv zu reagieren. Das Rückfallrisiko für Gewalthandlungen stufte der Gutachter insgesamt als hoch ein. Das Urteil ist rechtskräftig.

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