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Zürcher Politik und muslimische Organisationen verurteilen Messerattacke auf jüdischen Mann

Der Messerangriff auf einen orthodoxen Juden am Samstagabend in Zürich hat den Zürcher Kantonsrat am Montag beschäftigt. Politiker verurteilten den Angriff, die SVP sorgte für Aufregung bei linken Kantonsrätinnen und Kantonsräten. Auch verschiedene muslimische Organisationen verurteilen den Angriff im Zürcher Enge-Quartier.

04.03.2024 / 10:34 / von: jma
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Nach dem Messerangriff auf einen orthodoxen Juden in Zürich fand am Sonntag eine Mahnwache statt. Am Montagmorgen war der Angriff Thema im Zürcher Kantonsrat. (Archivbild: KEYSTONE/WALTER BIERI)

Nach dem Messerangriff auf einen orthodoxen Juden in Zürich fand am Sonntag eine Mahnwache statt. Am Montagmorgen war der Angriff Thema im Zürcher Kantonsrat. (Archivbild: KEYSTONE/WALTER BIERI)

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Linke Parlamentarierinnen und Parlamentarier verliessen bei der Erklärung der SVP-EDU-Fraktion am Montagmorgen den Saal. Fraktionschef Tobias Weidmann (SVP, Hettlingen) nannte «pflichtschuldige Verurteilungen» heuchlerisch. Antisemitismus trage heute nicht Springerstiefel, sondern Arafat-Tuch und Che Guevara T-Shirt, sagte er.

Sonja Rueff-Frenkel (FDP, Zürich) zeigte sich überrascht vom Verhalten der Linken, auch wenn sie die SVP-EDU-Erklärung wohl «erschreckt» habe. Rueff-Frenkel, die selber jüdisch ist, stellte sich gegen eine Links-Rechts-Debatte. «Antisemitismus ist ein gesellschaftliches Problem», sagte sie. Sollte ihr Sohn, der mit Kippa zur Schule gehe, angegriffen werden, sei es ihr egal, ob der Angreifer rechts oder links denke.

Eine Fraktionserklärung gab auch die EVP ab. Markus Schaaf (Zell) forderte, dass nach diesem «Akt des Terrors» alle Fragen gestellt werden. Etwa wieso ein 15-Jähriger eine solche Tat verübt und wer ihn dazu angestiftet hat.

Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) kündigte eine volle Aufklärung des Angriffs auf das friedliche Zusammenleben an. Hass und Ausgrenzung würden nicht toleriert, alle sollen sich hier sicher fühlen können. Es brauche das Engagement von allen gegen Rassismus und Antisemitismus. Bis alle Fakten vorliegen, sei aber Vorsicht geboten bei Teilinformationen, warnte sie.

Auch muslimische Organisationen verurteilen den Angriff

Die Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) hat den Angriff auf einen 50-jährigen jüdischen Mann vom Samstagabend in Zürich verurteilt. Auch der Präsident des Dachverbands der Schweizer Muslime zeigte sich schockiert.

«Nicht in unserem Namen!» hiess es in der Stellungnahme der VIOZ vom Sonntagabend. Der Verband reagierte damit auf verschiedene Medienberichte, laut denen der jugendliche Schweizer Täter ein antisemitisches Motiv sowie einen Migrationshintergrund aus einem islamischen Land haben soll.

«Wir erheben unsere Stimme und machen klar, dass dies nichts mit der muslimischen Gemeinschaft in Zürich zu tun hat», hiess es in der Stellungnahme weiter. Nichts rechtfertige einen Angriff auf Unschuldige. Man sei in Gedanken mit dem Betroffenen, seiner Familie und der ganzen jüdischen Gemeinschaft.

Auch Önder Güneş, der Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS), zeigte sich schockiert von dem Vorfall in Zürich. «Es ist einfach schrecklich, eine solche Tat ist in keinem Falle tolerierbar und wir Muslime verurteilen sie aufs Schärfste», sagte er gegenüber «20 Minuten».

Der FIDS wolle das Gespräch mit dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) suchen. Der Krieg im Gazastreifen dürfe nicht als Anlass dienen, um Hass und Zwietracht in der Schweizer Gesellschaft zu streuen.

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