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Gefälschtes Waschmittel: Zwei Zürcher beteuern ihre Unschuld

Die Staatsanwaltschaft spricht von Betrug – diesen Vorwurf haben die beiden beschuldigten Männer vor dem Bezirksgericht Zürich am Mittwoch aber zurückgewiesen: Sie hätten nicht gewusst, dass ihr Waschmittel aus Ungarn gefälscht gewesen sei. Das Urteil steht noch aus.

25.08.2021 / 14:34 / von: sda/mco
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Die beiden Schweizer lieferten über ihre diversen Handelsfirmen insgesamt 88 LKW-Fuhren mit «Ariel»-Waschgel und «Persil»-Waschpulver an die Otto's AG. (Symbolbild: KEYSTONE/AP/MARTIN MEISSNER)

Die beiden Schweizer lieferten über ihre diversen Handelsfirmen insgesamt 88 LKW-Fuhren mit «Ariel»-Waschgel und «Persil»-Waschpulver an die Otto's AG. (Symbolbild: KEYSTONE/AP/MARTIN MEISSNER)

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Unbestritten ist: Es waren Geschäfte, die sich gewaschen hatten. Der heute 36-jährige Jungunternehmer kaufte im Ausland in grossem Stil günstig Produkte wie Waschmittel ein, um sie in der Schweiz teurer zu verkaufen. Der Handel florierte so gut, dass er auch auf die Mitarbeit eines ein Jahre älteren Kollegen angewiesen war.

Von Dezember 2013 bis Mai 2015 belieferten die beiden über ihre verschiedenen Handelsfirmen diverse Abnehmer mit «Ariel»-Waschgel und «Persil»-Waschpulver. Gemäss Staatsanwalt organisierten sie allein für die Otto's AG 80 LKW-Fuhren, für die sie Rechnungen in Höhe von rund 3,3 Millionen Franken stellten.

«Irgendein Billigwaschmittel»

Statt Markenartikel soll aber nur «irgendein Billigwaschmittel» aus Ungarn geliefert worden sein, wie es am Mittwoch ein Vertreter einer anderen getäuschten Firma vor dem Zürcher Bezirksgericht ausdrückte. Dieses befand sich in einer gut kopierten Verpackung: Unterschiede zu den Originalen seien nur «nur durch den wissenschaftlichen Vergleich erkennbar» gewesen, heisst es in der Anklageschrift.

Durch diese Produkte wollen auch die beiden Beschuldigten getäuscht worden sein. Bereits am ersten Verhandlungstag Mitte Juni erklärten sie, dass sie davon ausgegangen seien, dass sie echte Produkte ein- und weiterverkaufen würden.

Er habe nichts von den Fälschungen gewusst, er habe niemandem schaden wollen, sagte der 36-Jährige auch am zweiten Prozesstag am Mittwoch in seinem Schlusswort. Und der 37-Jährige hielt fest, dass er nichts gewusst habe und unschuldig sei.

Buchhaltung und Belege fehlen

Die Staatsanwaltschaft sieht dies anders. Sie verwies in ihrer Anklage etwa darauf, dass die beiden Männer keine Buchhaltung geführt und in der Schweiz nur wenige Belege aufbewahrt hätten. Dies «um die Ermittlung der Geldflüsse zu erschweren». Es sei eine hektische Zeit in ihren Firmen gewesen, sie seien überfordert gewesen, meinten die Beschuldigten dazu sinngemäss.

Die Staatsanwaltschaft forderte, dass der 36-Jährige, der stets die Führungsrolle innehatte, zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt wird. Der 37-Jährige, der eigenständig mitgeschäftet hatte, soll mit einer bedingten Strafe von zwei Jahren bestraft werden. Die Beschuldigten und deren Anwälte plädierten vor dem Bezirksgericht auf Freisprüche.

Die Eltern und das Gold

Vor dem Gericht mussten sich auch die Eltern des 36-Jährigen verantworten. Weil sie während der Untersuchung zehn Ein-Kilogramm-Goldbarren ihres Sohnes in ihrem Keller versteckt hatten, hätten sie sich der Geldwäscherei schuldig gemacht. Die Staatsanwaltschaft beantragte bedingte Geldstrafen.

Die Verteidiger der Eltern forderten am Mittwoch jedoch Freisprüche. Die beiden 68-Jährigen hätten das Gold zwar aufbewahrt, dieses aber nicht vor den Behörden verheimlicht. Als sie bei der dritten Hausdurchsuchung merkten, dass die Polizisten dieses suchen würden, hätten sie ihnen den Aufbewahrungsort sogleich mitgeteilt.

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