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Zürich: Hilfe für psychisch angeschlagene Sexarbeitende

Sexarbeiterinnen und -arbeiter mit psychischen Problemen sollen in Zürich unkompliziert Hilfe erhalten, auch via Skype. Das Stadtparlament hat am späten Mittwochabend einen entsprechenden Vorstoss der AL an den Stadtrat überwiesen.

06.03.2019 / 20:45 / von: rwa/sda
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Der Zürcher Gemeinderat psychisch angeschlagenen Sexarbeitenden helfen. (Archivbild: RADIO TOP)

Der Zürcher Gemeinderat psychisch angeschlagenen Sexarbeitenden helfen. (Archivbild: RADIO TOP)

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Der Stadtrat muss nun prüfen, wie der stadtärztliche Dienst im Ambulatorium Kanonengasse ein niederschwelliges Angebot für die psychiatrisch-psychotherapeutische Beratung und Behandlung von Sexarbeitenden aufbauen und betreiben kann.

Das Angebot soll die spezifische «mobile Situation» von Sexarbeitenden berücksichtigen und neben klassischen Beratungs- und Behandlungsformen auch digitale Therapiemöglichkeiten (beispielsweise via Skype) beinhalten.

Wie der AL-Vertreter ausführte, haben Sexarbeitende im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung häufiger körperliche und psychische Gesundheitsprobleme. Im körperlichen Bereich stellen sexuell übertragbare Infektionen für 80 Prozent der Sexarbeitenden ein Problem dar.

Unerwünschte Schwangerschaften betreffen rund 15 Prozent der Sexarbeiterinnen. Studien gehen ausserdem davon aus, dass rund 50 Prozent der Sexarbeitenden unter einer unbehandelten psychischen Störung leiden, bei 60 Prozent gibt es Suchtprobleme (Alkohol, Drogen).

Der stadtärztliche Dienst verfügt derzeit über eine spezifische Infrastruktur (Ambulatorium Kanonengasse), in der die körperlichen Probleme von Sexarbeitenden abgeklärt und behandelt werden können.

Ein entsprechendes Angebot, im welchem die psychischen Probleme dieser Bevölkerungsgruppe angegangen werden könnten, existiert hingegen nicht. Die letzte Spezialsprechstunde für Sexualmedizin wurde am Universitätsspital Zürich 2015 geschlossen.

In Anbetracht «dieser prekären psychischen Gesundheitssituation» der Gruppe der Sexarbeitenden müsse es diese Versorgungslücke geschlossen werden, forderte der AL-Vertreter. Die psychischen Narben der ständigen Stigmatisierung müssten behandelt werden.

Die AL erhielt im Rat Unterstützung von SP, Grünen, FDP und EVP. Es sei ein sinnvoller Vorstoss, befand die Mehrheit. Wer im ältesten Gewerbe der Welt arbeite, geniesse in der Regel kein grosses gesellschaftliches Ansehen, psychische Probleme müssten frühzeitig angegangenen werden.

Nichts davon wissen wollte die SVP. Da es sich um das älteste Gewerbe der Welt handle, sollte mittlerweile allen klar sein, welche Risiken damit verbunden seien.

Auch andere Berufsgruppen seien psychisch gefährdet - und müssten sich selbst helfen. Das geforderte neue Angebot der Stadt Zürich sei «völlig überflüssig», sagte der SVP-Vertreter.

Die GLP anerkannte zwar die die Probleme der «mobilen Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter». Sie hatte jedoch Zweifel, ob das Ambulatorium der richtige Ort sei.

Zudem braucht es ihrer Ansicht nach Kontinuität in der Therapie. Diese sei nicht gegeben, wenn die Betroffenen nur kurz in Zürich seien und dann ihrer Arbeit wieder anderswo nachgingen. Von einer «weltweiten Behandlung via Skype» riet die GLP ab.

Das Postulat wurde schliesslich mit 90 Ja- gegen 31 Nein-Stimmen an den Stadtrat zur Prüfung überwiesen. Ja sagten AL, SP, Grüne, FDP und EVP. Nein sagte eine eher ungewöhnliche Allianz von SVP und GLP.

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