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Blutstammzellen retten Leben

Blutstammzellen können Leben retten. Wie Blut kannst du auch diese spenden. RADIO TOP widmet der Blutstammzellspende am 21. Oktober 2020 einen ganzen Thementag. Im Artikel erfährst du detailliert alles über dieses Thema.

21.10.2020 / 05:06 / von: asl
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Jeden Tag erkranken Erwachsene und Kinder an lebensbedrohlichen Blutkrankheiten. Für viele von ihnen ist eine Blutstammzellspende die letzte Hoffnung. (Symbolbild: Keystone/URS FLUEELER)

Jeden Tag erkranken Erwachsene und Kinder an lebensbedrohlichen Blutkrankheiten. Für viele von ihnen ist eine Blutstammzellspende die letzte Hoffnung. (Symbolbild: Keystone/URS FLUEELER)

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Neben dem, dass du dein Blut ganz normal spenden kannst, gibt es auch die Möglichkeit, dass du deine Blutstammzellen spendest. Dabei werden, wie zu erahnen, dem Blut die sogenannten Blutstammzellen entnommen. Diese sind im roten Knochenmark zu finden und verantwortlich dafür, dass rote und weisse Blutkörperchen sowie Blutplättchen gebildet werden.

Doch nicht bei jedem Menschen funktioniert dies einwandfrei. Es gibt Krankheiten wie beispielsweise Leukämie, welche die Blutzellenbildung stören. Ist bei einem Menschen diese Blutzellenbildung gestört, kann dies schwerwiegende, teils lebensbedrohliche Folgen haben. Es kann zu einer Störung der Immunabwehr, zu Blutungen oder Blutarmut kommen. In solchen Fällen sind oft gesunde Blutstammzellen einer Spenderin oder eines Spenders gefragt. Diese bewirken bei der kranken Person, dass ihr Knochenmark durch die gesunden Zellen seine Funktion wiederfindet und wieder selbstständig neue Blutzellen produzieren kann.

Komme ich als Spenderin oder Spender infrage?

Wie beim Blutspenden, gibt es auch bei der Blutstammzellspende einige Vorgaben von Blutspende SRK Schweiz, die beachtet werden müssen. So kannst du dich in der Schweiz nur als Spenderin oder Spender registrieren, wenn du folgende Kriterien erfüllst:

  • So musst du zwischen 18 und 40 Jahre alt sein, mindesten 50 Kilogramm schwer und nicht stark übergewichtig (BMI > 40) sein.
  • Auch einige Vorerkrankungen könnten dich vom Spenden abhalten. Dazu zählen schwere Erkrankungen des Herzens oder der Lunge, Blutkrankheiten, Blutgerinnungsstörung, Krebserkrankungen, schwere neurologische oder psychische Störungen, Autoimmunerkrankungen und Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis C, Syphilis und chronische Hepatitis B.

Wie kann ich mich im Spender-Register eintragen?

Wenn du als potenzielle Spenderin oder als potenzieller Spender infrage kommst, kannst du dich jeder Zeit online registrieren. Nach einer erfolgreichen Registrierung bekommst du von Blutspende SRK Schweiz ein Testset plus weitere Unterlagen per Post nach Hause geschickt. Mit den im Testset enthaltenen Stäbchen machst du jeweils einen Wangenabstrich. Die Stäbchen und deine Einverständniserklärung schickst du dann zurück. Anhand dieser Proben werden später im Labor deine Gewebemerkmale (Humane Leukozyten-Antigene; kurz: HLA) bestimmt. Dies ist wichtig, denn wenn diese Merkmale nicht identisch mit denen des Empfängers sind, besteht die Gefahr, dass die gespendeten Blutstammzellen vom Körper des Empfängers abgestossen werden oder dass die gespendeten Blutstammzellen den fremden Körper abstossen.

Sobald deine Gewebemerkmale im Labor bestimmt wurden, wird deine Registrierung gespeichert. Du bist ab diesem Zeitpunkt offiziell eingetragen. Die Registrierung und auch das Spenden sind freiwillig. Du kannst deine Registrierung jeder Zeit und kostenfrei zurückziehen, solltest du dich an irgendeinem Punkt in deinem Leben dagegen entscheiden.

Wenn du im Schweizer Register eingetragen bist, dann kann es sein, dass ein Mensch irgendwo auf der Welt deine Blutstammzellen braucht. Denn die Schweizer Datenbank ist international vernetzt.

Wie läuft eine Blutstammzellspende ab?

Wurdest du als geeignete Spenderin oder als geeigneter Spender erörtert, wirst du für eine Spende angefragt. Danach geht es nochmals darum, deinen Gesundheitszustand und dein Einverständnis zu überprüfen. Ist alles in Ordnung und bist nach wie vor bereit, deine Blutstammzellen zu spenden, werden mit einer Blutprobe deine Gewebemerkmale ein weiteres Mal kontrolliert. Zu dem wird überprüft, ob keine Infektionserreger wie beispielsweise HIV oder Hepatitisviren in deinem Blut zu finden sind. Bist du nach dieser Kontrolle immer noch einverstanden mit einer Spende, wirst du in einem Gespräch nochmals gründlich informiert und es wird ein umfassender Gesundheitscheck gemacht. Passt das alles ist der nächste Schritt die tatsächliche Spende.

Blutstammzellen können auf zwei unterschiedliche Arten gespendet werden. Die Häufigere der beiden ist die, bei der periphere Blutstammzellen aus der Armvene entnommen werden. Dies Methode macht laut Blutspende SRK Schweiz etwa 80 Prozent aller Spenden aus. Und so funktioniert sie:

  • Ein paar Tage vor der Spende wird dir ein Wachstumsfaktor (G-CSF) verabreicht. Das bewirkt, dass sich deine Blutstammzellen im Knochenmark vermehren und in deinen Blutkreislauf ausgeschüttet werden. Dies kann zu grippe-ähnlichen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder erhöhter Temperatur führen.
  • Am Tag der Spende begibst du dich in eines der Entnahmezentren der Schweiz. Für die Spende braucht es also keinen Spitalaufenthalt
  • Es werden dir an beiden Armen Zugänge gelegt.
  • Das Blut aus deinen Armen läuft dann für ca. drei bis sechs Stunden durch einen sogenannten Zellseparator und wieder zurück in deinen Körper. Bei diesem Prozess werden deinem Blut hauptsächlich die Blutstammzellen entnommen. Mit einem grossen Blutverlust ist also nicht zu rechnen.
  • In der Regel kannst du das Entnahmezentrum noch am selben Tag verlassen.
  • Es kann zu kurzweiligen und meist ungefährlichen Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Prickeln in den Venen oder Blutergüssen an den Einstichstellen kommen. Nach ein paar Tagen solltest du aber wieder fit sein. Je nach Beruf ist ein Arbeitsausfall von ein paar Tagen einzuplanen.

Die Blutstammzellspende ist aber auch mit einer Entnahme aus dem Knochenmark möglich. Bei dieser Art der Spende wird Knochenmark durch mehrere Punktionen aus dem Beckenkamm entnommen. Der Eingriff dauert etwa zwei Stunden und erfolgt unter Vollnarkose. Du kannst als Spenderin oder als Spender das Spital meist am Folgetag wieder verlassen. Dein Knochenmark sollte sich in den darauffolgenden vier Wochen wieder vollständig regenerieren.

Bei beiden Varianten wirst du auch nach deiner Spende noch von Blutspende SRK Schweiz betreut.

Warum braucht es Fremdspender?

Wenn eine Blutstammzellspende nur dann infrage kommt, wenn die Gewebemerkmale zwischen Spender und Empfänger übereinstimmen, dann klingt es nur logisch, dass zuerst im verwandten Umfeld der erkrankten Person nach einem geeigneten Spender gesucht wird. Warum braucht es dann Fremdspender? Einerseits ist es sowieso nur in seltenen Fällen so, dass die Gewebemerkmale zwischen Empfänger und einem potenziellen, registrierten Spender übereinstimmen. In Familien die Chance auf einen passenden Spender nicht sowieso gegeben und beträgt nur ca. 20 bis 30 Prozent, wie es bei Blutspende SRK Schweiz heisst.

Wenn in der Familie ein passender Spender gefunden wird, handelt es sich dabei meist um ein Geschwister. Eltern kommen für eine normale Blutstammzellspende bei ihrem Kind meist nicht infrage. Denn jedes Elternteil vererbt nur die Hälfte seiner Merkmale an das Kind. In diesem Fall ist eine haploidentische (haplo bedeutet «die Hälfte») Transplantation möglich, bei der Blutstammzellen von einem Familienmitglied transplantiert werden, bei dem nur die Hälfte der Gewebemerkmale übereinstimmen.

Warum Blutstammzellspender werden?

Je mehr Menschen sich als Spenderin oder Spender registrieren, desto wahrscheinlicher ist es, dass für eine Patientin oder einen Patienten geeignete Blutstammzellen gefunden werden.

Momentan ist es laut Blutspende SRK Schweiz so, dass in der Schweizer Datenbank rund 65 Prozent Frauen und nur 35 Prozent Männer registriert sind. Dabei sind gerade junge und gesunde Männer ideale Spender.

Mehr Infos, Erklärvideos und das Formular zur Registrierung findest du auf der Webseite von Blutspende SRK Schweiz.

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